Mit Harald Wolter von dem Knesebeck: In unserer Zeitreise sind wir an der ersten Jahrtausendwende nach Christus angekommen. Die einfachen Menschen führten ein karges Leben. Auf der Fläche des heutigen Deutschlands lebten ca. 4 Mio. Einwohner meistens in kleinen Siedlungen auf engem Raum. Und trotzdem gab es eine Art Aufschwung zu dieser Zeit.
Der wachsende Wohlstand kam vor allem einer Institution zugute: der Kirche. Die Menschen glaubten an das drohende Fegefeuer und wollten durch reiche Spenden an Kirchen und Klöster schon vorsorglich ihre Zeit im Fegefeuer reduzieren.
Die Kirche legte das Geld in Gotteshäuser an. An vielen Orten sprossen Dombauten aus der Erde. In Mainz, Trier und in Magdeburg. Auch einige der romanische Kirchen in Köln stammen aus dieser Zeit.
Plötzlich wurden Kirchen in Kreuzform (mit Längs- und Querschiff) gebaut. Auch Kirchtürme waren eine Innovation. In St. Gallen wurde ein Plan für ein Musterkloster aus dem Jahr 825 gefunden. Auf dem Pergament sind alle Gebäude eingezeichnet, die ein „ordentliches“ Kloster braucht. War das eine Art Masterplan für das kirchliche Bauen im frühen Mittelalter?


In den Schreibstuben der Klöster, den Skriptorien, wurden kleine (und große) Wunder vollbracht. Die Buchmalerei hatte um die Jahrtausendwende ihren ersten Höhepunkt. Kalligraphie geschmückt mit gemalten Miniaturen in glänzenden Farben. Das Ganze in kostbaren Einbänden mit Edelsteinen, Elfenbeinschnitzereien und Blattgold verziert. Vor allem Heinrich II. beauftragte viele Prachthandschriften. Besonders berühmt: Die Bamberger Apokalypse


Eine der berühmtesten Skulpturen jener Zeit steht in Hildesheim: Die Bernwardssäule. 3,80 Meter hoch, fast 60 cm Durchmesser. 28 Szenen aus dem Leben von Jesus Christus schrauben sich spiralförmig dem Himmel entgegen. Die Figuren ragen halbplastisch aus der Skulptur heraus. Man muss die Säule siebenmal umrunden, um ihren Geschichten von Anfang bis Ende zu folgen. Die Säule wurde in einem Guss hergestellt. Um an die Bronze zu kommen, mußte die Gussform aus Ton zerschlagen werden. In den wenigen Sekunden des Bronzegusses stand die jahrelange Vorarbeit auf dem Spiel…

Den Kunsthistoriker Prof. Dr. Harald Wolter von dem Knesebeck frage ich, wie die Künstler damals ihre Werke schufen und woher der Kreativitätsboom um die erste Jahrtausendwende kam.


