Mit Richard Loibl: 1180 zerschlug Kaiser Friedrich Barbarossa die Herrschaft des Welfen Heinrich des Löwen. Heinrich der Löwe musste seine beiden Herzogtümer abgeben. Sachsen und Bayern. Otto von Wittelsbach hatte sich vorher militärisch verdient gemacht. Deshalb ernannte Barbarossa Otto von Wittelsbach 1180 zum neuen Herzog von Bayern.
Auf dem Rückzug eines Italienfeldzuges hatten sich Feinde Barbarossas an einer Engstelle der Etsch nördlich von Verona, der „Veroneser Klause“, auf den Felsen in Stellung gebracht. Otto von Wittelsbach erklomm mit deinen klettererfahrenen Kriegern den Felsen und schlug die Gegner in die Flucht.

Das ist die offizielle Begründung für seine Beförderung zum bayerischen Herzog. Tatsächlich wollte Barbarossa wohl keinen mächtigen Herzog in Bayern und suchte sich deshalb den Aufsteiger Otto aus.
Am Anfang ihrer Herrschaft residierten die wittelsbacher Herzöge in Regensburg.

Der Enkel von Barbarossa, Kaiser Friedrich II., legte noch einen drauf. Er wurde von den Wittelsbachern bei seiner Königswahl unterstützt. Diese Loyalität belohnte er zusätzlich zum Herzogtitel mit dem ehrenvollsten weltlichen Amt des damaligen Reiches: Der Pfalzgrafschaft am Rhein.
Zur Pfalzgrafschaft gehörten versprengte kleine Territorien am Mittelrhein, zum Beispiel auch Heidelberg. Das waren die ehemaligen Güter der salischen Könige und Kaiser. Deshalb war die Pfalzgrafschaft zwar nicht der einträglichste aber der angesehenste weltliche Titel im Reich. Und für 100 Jahre waren das Herzogtum Bayern und die Pfalzgrafschaft am Rhein in einer wittelsbacher Hand.

Die Pfälzer Linie baute das Heidelberger Schloss Anfang des 17. Jahrhunderts prachtvoll aus. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges waren zwei Wittelsbacher die Köpfe der jeweils gegerischen Kriegspartei. Pfalzgraf Friedrich V. führte die protestantische Union an und Maximilian I. Herzog von Bayern stand der katholischen Liga vor.

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde das Heidelberger Schloss 1688 von den Truppen des französischen Sonnenkönigs, Ludwig XIV., zerstört und ist bis heute in weiten Teilen eine Ruine. Die Wittelsbacher Pfalzgrafen suchten sich andere Residenzen: Düsseldorf und Mannheim.
Erst nach 450 Jahren fielen das Herzogtum Bayern und die Pfalzgrafschaft aufgrund mehrerer Todesfälle und der Erbfolge in eine Hand.
Nach der Französischen Revolution ordnete Napoleon Europa neu und machte Bayern zu einem Königreich. Der geborene Pfälzer Ludwig I. von Bayern wurde sein prägenster Herrscher. Um deutlich zu machen, dass sich das neue Königreich vom bisherigen Herzogtum unterschied, verfügte er „Baiern“ nicht mehr mit „ai“ sondern mit „y“ zu schreiben.

Sein Enkel, Ludwig II., war erst 17 Jahre alt, als er König wurde.


Während seiner Herrschaft verlor das Königreich Bayern seine Unabhängigkeit und mußte sich 1877 in das neue von Preußen dominierte Deutsche Reich einordnen. Ludwig II. verfiel in eine Depression. Er ließ mehrere Schlösser bauen, darunter Neuschwanstein.
1886 wurde Ludwig II., der Märchenkönig, für geisteskrank erklärt und abgesetzt. Drei Tage später ertrank er im Starnberger See. Das bayerische Königreich überlebte den ersten Weltkrieg nicht. 1918 wandelte die Novemberrevolution Bayern in einen Freistaat um.
Seitdem haben die Wittelsbacher keine politische Macht mehr im Land.
1923 wurde das Familienvermögen getrennt. Der größere Teil ging in eine öffentliche Stiftung und der kleinere Teil, der ist immer noch stattlich, blieb den Wittelsbachern als Privatvermögen erhalten.
Im Dritten Reich gehörten sie zu den Gegnern der Nationalsozialisten. Nach dem Attentat auf Hitler 1944 wurden zwölf Wittelsbacher in Sippenhaft genommen. Neun Monate saßen sie in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Flossenbürg und Dachau. Bis zur Befreiung durch die Alliierten 1945.
Franz von Bayern, das aktuelle Oberhaupt der Familie gab seinen Memoiren vor zwei Jahren den Titel: „Zuschauer in der ersten Reihe“

Mit Dr. Richard Loibl, dem Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg spreche ich über Kinderreichtum, Verzwergung durch Landesteilungen, Fall-back-Optionen und Führungsreserven der Wittelsbacher. Ein Ritt durch 845 Jahre Familiengeschichte und ihre Auswirkungen auf unser Land.


