Mit Eva Schlotheuber: Karl IV. war hoch arlamiert:
„Besonders Du, Mißgunst, hast das christliche Kaisertum (…) mit dem altbösen Gift, das Du wie eine Schlange in verbrecherischer Untat auf die Zweige des Reiches und seine nächsten Glieder gespritzt hast, um nach Einsturz der Säulen das ganze Gebäude als Ruine zusammenstürzen zu lassen – so hast Du also mannigfach Spaltung unter die sieben Kurfürsten des Heiligen Reiches gebracht (…) durch die das Heilige Reich erleuchtet werden soll.“ So beginnt der Text der Goldenen Bulle.

Karl IV. fürchtete den Kollaps des römisch-deutschen Reiches. Zerrieben zwischen den Interessen der Päpste und der Kurfürsten. Deshalb verhandelte und verfasste er die „Goldene Bulle“. Das erste Grundgesetz des römisch-deutschen Reiches. Karl IV. schaffte es, die Mitspracheansprüche der Päpste bei Königswahlen zurückzudrängen und die Kurfürsten zur Einigkeit zu verpflichten. Ein Meisterstück der Diplomatie.

Diese beiden Errungenschaften kennzeichnen das Verfassungswerk: Sie schließt die Päpste von dem Verfahren der Königswahl im römisch-deutschen Reich aus. Indem sie sie nicht erwähnt, gesteht sie ihnen keine Rolle mehr zu. Der zweite wesentliche Punkt war die Einigung der Kurfürsten. Im Wahlprozess wird ihnen eine funktionale Gleichrangigkeit zugewiesen und durch viele detaillierte Regelungen sichergestellt. Beide Punkte waren nur durch erhebliche Zugeständnisse zu erreichen. Die Päpste mussten sicher sein, dass die deutsch-römischen Könige nicht mit ihnen um die Macht in Sizilien, Rom oder dem Kirchenstaat konkurrieren. Die Privilegien der Kurfürsten, die sie zu eigenständigen Herrschern in ihren Bereichen machten, wurden mit Verfassungsrang festgeschrieben. Verlierer waren die Städte. Ihnen wurde verboten, untereinander Bündnisse zu schließen.

Die schlichte Wahlkapelle im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt. Die Goldene Bulle schreibt diese Kirche als Wahlort fest. Wie im Konklave wurden die Kurfürsten eingeschlossen und müssen sich einigen.
Am 11. Januar 1356 wird die Goldene Bulle in der Kathedrale von Metz in Kraft gesetzt.

Ich spreche mit Eva Schlotheuber, Professorin für mittelalterliche Geschichte an der Uni Düsseldorf, über Karls hartnäckige Verhandlungen zur Entstehung der Goldenen Bulle und ihre jahrhundertelange Bedeutung für das Reich.


