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#42 Die Hanse

Mit Angela Huang:

Die Hanse war das größte Europäische Handelsnetzwerk im Mittelalter. Es erstreckte sich über den ganzen Ostseeraum und darüber hinaus. Die Hanse hatte Niederlassungen in Russland, Norwegen, London und Brügge. Den ersten Hansetag, das Treffen aller aktuellen Mitglieder der Hanse, datieren wir ins Jahr 1358 in Lübeck.

©Christian Wolf (www.c-w-design.de), CC BY-SA 3.0 DE , via Wikimedia Commons

Auch nach 668 Jahren ist sie bis heute in vielen Fragen eine Black Box. Die Hanse führte kein Mitgliederverzeichnis. Es war nie ganz klar, wer außer Lübeck, Köln und Hamburg gerade mit an Bord war.  Auch Paderborn, Soest oder Magdeburg gehörten ihr zeitweise an. Aber seit wann und wie lange? Kein Mitgliederverzeichnis, keine Angestellten und sowieso kein Organigramm…Und trotzdem wurde sie die Hanse die mächtigste Handelsorganisation des Mittelalters.

Der Petershof in Novgorod existiert leider nicht mehr. Auch der Stahlhof in London ist abgebrannt. Auch das Kontor in Brügge ist nicht mehr zu sehen. Das Bild links zeigt die Versammlungshalle des Hansekontors in Brügge. Rechts der Grundplan des Stahlhofes in London.

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© Droysen/Andrée, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

In Bergen in Norwegen blieb der mittelalterliche Hansestützpunkt erhalten.

Gerd A.T. Mueller – User:Gatm, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons
©Holger Uwe Schmitt, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Die Urkunden der Hanse sind der Schatz der Forscher. Eine Auswahl von ihnen wurden in das Weltdokumentenerbe aufgenommen. Dabei handelt es sich sowohl um Urkunden als auch um private Briefe der Kaufleute. Wie das Schreiben des Kaufmanns Veckinchusen an seine Frau in Lübeck. Veckinchusen war schwer verschuldet und saß deshalb in Brügge in Haft. Seine Frau führte die Geschäfte in Lübeck. Wenn er wieder aus dem Schuldturm freikäme, müsse er erst die Angelegenheit in Brügge in Ordnung bringen, schrieb er ihr, bevor er nach Lübeck zurückkommen könne:

Trotz der prekären finanziellen Lage, in der sich Margarethe Veckinchusen und die Kinder befanden, plante Hildebrand, sollte er aus dem Schuldturm entkommen, nicht sofort nach Lübeck zu reisen. Zuerst wollte er den in Brügge ansässigen Gläubigern ihre Schulden zurückzahlen. Und tatsächlich blieb Veckinchusen nach seiner Entlassung im April 1425 für ein Jahr in Brügge, bis er im Mai 1426 zu seiner Familie zurückkehrte. Margarethe hatte die Geschäfte ihres Mannes in Lübeck während seiner Inhaftierung betreut. Ehefrauen von Kaufmännern waren oft maßgeblich am Handel beteiligt. Hildebrand Veckinchusen beklagte sich gelegentlich bei Margarethe über seine Geschäftspartner, nie jedoch umgekehrt. Um erfolgreich zusammenzuarbeiten, mussten beide Ehepartner aufeinander vertrauen.
©Olaf Malzahn, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons

Hier der Boykottaufruf der Hansekaufleute aus dem Jahr 1358 gegen Flandern. Zum ersten Mal nennen sie sich „die Städte der deutschen Hanse“ und setzen sich im Handelskrieg gegen Flandern zwei Jahre später durch.

Fotografie eines Faksimiles eines mittelalterlichen Schriftstücks, das einen Aufruf zum Boykott Flanderns aus dem Jahr 1358 enthält.
© Olaf Malzahn, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons

Willst Du die Hanseforschung tatkräftig unterstützen? Die Forschungsstelle des Hansemuseum sucht ehrenamtliche Unterstützung bei der Auswertung der historischen Hansedokumente.

© Charleen Bermann

Hier kommt der link zu diesem citizen science Projekt:

https://fgho.eu/de/hanse-quellen-lesen

In dieser Podcastfolge spreche ich mit Dr. Angela Huang, der Leiterin der Forschungsstelle zur Geschichte der Hanse und des Ostseeraums am Europäischen Hansemuseum in Lübeck. Was war das Erfolgsrezept der verschwiegenen Kaufleute und warum hielt ihr Ostseemonopol 300 Jahre lang? Und wie können interessierte Laien die aktuelle Forschung unterstützen?

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