Mit Daniel Hess: 1492 holte sich der Nürnberger Kaufmann Martin Behaim den Auftrag der Stadt Nürnberg, eine Weltkugel herzustellen. Die Kugel hat einen Durchmesser von 51 cm und besteht aus mehreren Schichten von Leinen, Pergament und Papier. Darauf bildeten Nürnberger Experten die Geografie der damals bekannten Welt ab. Der Beheaimglobus ist der älteste erhaltene Globus der Welt.
Schon 80 Jahre bevor der Globus in Auftrag gegeben wurde, hatte der portugiesische Königssohn Heinrich damit begonnen, systematisch die Westküste Afrikas zu erkunden. Als Zweitgeborener standen seine Aussichten auf den Thron Portugals nicht gut und er widmete sich deshalb ganz der Erkundung neuer Seewege. Aber Heinrich der Seefahrer hat die Umsegelung des Kaps der guten Hoffnung nicht mehr miterlebt. 1488 entdeckte der portugiesische Kapitän Bartolomeu Dias den Seeweg nach Indien.
Der Landweg war versperrt, weil die Osmanen mit der Eroberung Konstantinopels den Zugang zur Seidenstrasse kontrollierten. Deshalb war ein eigenständiger Seeweg nach Indien für die westeuropäischen Händler essentiell. Die Route um Afrika herum war der Durchbruch für den europäischen Handel.
Der Welthandel mit Gewürzen, Seide und anderen Kostbarkeiten wurde durch die Seefahrerreiche an den Küsten abgewickelt: Portugal, Spanien, Flandern. Aber in Nürnberg liefen viele Fäden zusammen. An dem Übergang zwischen Mittelalter und Neuzeit war die Stadt einer der bedeutensten Handelsplätze. Das Motto der Fernhändler „Nürnberger Tand geht durch alle Land“ prangt am alten Rathhaus.
Der Globus – Statussymbol Nürnbergs – sollte die Händler animieren, in die Welt hinauszufahren. Dafür ließ Behaim präzise die Waren einzeichnen, die man nur an bestimmten Orten der Welt erwerben konnte.
Dreht sich die Weltkugel im Video zu schnell? Möchtet Ihr Sie gerne genauer betrachten? Hier geht es zu der sehenswerten detailreichen digitalen Präsentation des Behaim-Globus vom Germanischen Nationalmuseum:
Der Globus passt in die Zeit: Kurz nach der Erfindung des Buchdrucks beauftragten die reichen Städte Weltchroniken, um ihre eigene Geschichte und Bedeutung im historischen weltweiten Zusammenhang zu dokumentieren. Akte dieser intellektuellen Selbstbehauptung sind die Schedelsche Weltchronik aus Nürnberg oder die Koelhoffsche Chronik aus Köln, die beide parallel zum Behaimglobus entstanden.
Die 700 Seiten starke Schedelsche Weltchronik des Arztes und Gelehrten Hartmann Schedel erschien 1493 in Nürnberg:

1499 veröffentlichte Johann Koelhoff die „Cronica van der der hilliger Stat van Coellen“:

Daniel Hess ist Professor für Kunstgeschichte und Generaldirektor des Germansichen Nationalmuseums in Nürnberg. Mit ihm spreche ich über die Rolle Nürnbergs als die globale Expansion der Europäer begann.


