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#51 Jesus – Dürer – Superstar

Albrecht Dürer war 28 Jahre alt, als er sich selbst in Öl portraitierte. In der Gestalt von Jesus Christus. Er malte sich als den Messias im Jahr 1500. Diese Bild war nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Er zeigte es solventen Kunden als Probestück. Es sollte demonstrieren: „wenn Du willst, kann ich Dich sogar als Messias portraitieren…“

Zu diesem Zeitpunkt war Dürer schon berühmt. Auch seine Corporate Identity CI war schon entwickelt:

© Albrecht Dürer, Public domain, via Wikimedia Commons

Albrecht Dürer kam aus einem kunsthandwerklichen Haus. Sein Vater war Goldschmied in Nürnberg und erkannte früh das Talent seines Sohnes. Albrecht absolvierte eine Lehre im Malerhandwerk und Holzschnitt und ging dann auf Reisen. Und es zog ihn natürlich auch nach Italien.

Ähnlich wie Leonardo da Vinci war auch Dürer ein Allround-Talent. Doch es gibt einen großen Unterschied zu den italienischen Renaissance-Künstlern. Dürer entdeckte die Chancen der damals nagelneuen Drucktechnik für sich. Seine Hauptwerke sind Holzschnitte oder Kupferstiche.

Die Apokalypse aus der „Offenbarung des Johannes“ war sein erster erfolgreicher Druck. Die  Folge von 16 Blättern, basierend auf Holzschnitten, hat einen enormen Eindruck auf die Menschen damals gehabt. Schauerliche dramatische Szenen mit den 4 apokalyptischen Reitern, der Hure Babylon und dem heiligen Michael, der verzweifelt  mit dem 7-köpfigen Drachen kämpft. Alles bedrohlich realistisch in schwarz-weiß dargestellt.

© Rijksmuseum, CC0, via Wikimedia Commons

Dieses Gespür für die Vorteile des Drucks, nämlich die unmittelbare Breitenwirkung, hatte neben Dürer noch ein anderer prominenter Zeitgenosse, der schon immer auf sein persönliches Renommee achtete: Kaiser Maximilian.

Die beide entwickelten und realisierten ein bombastisches Projekt, das aber heute in Vergessenheit geraten ist, weil es „nur“ auf Papier gedruckt war: Die kaiserliche Ehrenpforte.

Die Idee war ein 3,5×3 Meter großen Triumphbogen aus bedrucktem Papier, den Maximilian als Zeichen seiner Größe und Gunst an 700 Fürsten und Gefolgsleute verschicken wollte. Diese Ehrenpforte aus Papier sollte 700 mal im römisch-deutschen Reich in den Residenzen der Fürsten an prominenter Stelle angebracht werden. Der Triumphbogen war einerseits wegen seiner Ausmaße plakativ und andererseits sehr fein ausgearbeitet. Für das Riesenwerk fertigte Albrecht Dürer 192 unterschiedliche Druckvorlagen an, die zusammengesetzt diese Ehrenpforte ergaben.

© Albrecht Dürer, Public domain, via Wikimedia Commons

Viele seine heute berühmtesten Bilder hat Dürer zu seinen Lebzeiten nie veröffentlicht. Über sein Selbstportrait als Jesus haben wir schon gesprochen. Aber auch Zeichnungen und Aquarelle, die er zu Studienzwecken anfertigte, sind heute populärer als viele andere seiner damals offiziellen Werke.

Fast jede Hörerin und jeder Hörer wird schon mal den Hasen gesehen haben, den Albrecht Dürer nur für sich, als Fingerübung gezeichnet hat. Dieser hockende Feldhase ist das berühmteste Tier der Kunstgeschichte. Nie zuvor hat ein Künstler ein Tier so naturgetreu abgebildet. Mit einem Fell, dass man sofort streicheln möchte. Sein populärstes Bild wurde erst in seinem Nachlass gefunden.

© Albrecht Dürer, Public domain, via Wikimedia Commons

In seinem Werk findet man auch Aktzeichnungen, die man heutzutage als „explizit“ bezeichnen würde. Er hat ein splitterfasernacktes Selbstbildnis von sich gezeichnet, dann gibt es eine Zeichnung von ihm, mit dem Titel „Frauenbad“. Er läßt einen gut versteckten Voyeur sechs unbekleidete Frauen beobachten. Das Pendant dazu ist ein Holzschnitt mit dem Titel „Herrenbad“.

©Albrecht Dürer, Public domain, via Wikimedia Commons
© Albrecht Dürer, CC0, via Wikimedia Commons

1527, ein Jahr vor seinem Tod, erschien seine Befestigungslehre. Da ging es um den Bau von Verteidigungsanlagen und nicht mehr um die Kunst. Die Einführung des Schießpulvers und die Entwicklung von Kanonen hatten völlig neue Anforderungen an die Festungen zur Folge. Einfache Mauern wurden durchschossen. Jetzt mussten neue Befestigungsanlagen gebaut werden und Dürer hat sich auch damit beschäftigt. Nach seiner Befestigungslehre wurden an verschiedenen Orten in Deutschland Rondelle und Wallanlagen gebaut. Gut erhalten sind sie zum Beispiel in der Hansestadt Rees am Niederrhein:

© Jan Schulte-Kellinghaus
© Jan Schulte-Kellinghaus

Ich spreche mit Prof. Dr. Daniel Hess, dem Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg über den Künstler, den Geschäftsmann und den staunenden Gelehrten Albrecht Dürer am Beginn der frühen Neuzeit.

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