Den Beitrag als Podcast hören:

#53 Martin Luther – Wie wird man Reformator?

Mit Volker Leppin: Martin Luther war ein Studienabbrecher. Als der Jurastudent seinen Eltern beichtete, dass er nicht Jurist sondern Mönch werden wolle, wechselte sein Vater vom respektvollen „Sie“ wieder zum herablassenden „Du“ der Kindertage. Martin kam aus eine Aufsteigerfamilie. Sein Vater betrieb ein Bergbaugewerbe in Mansfeld und hoffte auf eine wirtschaftlich und gesellschaftlich noch bessere Zukunft für seinen Sohn. Lucas Cranach hat seine Eltern portraitiert.

© Lucas Cranach the Elder, Public domain, via Wikimedia Commons

Als Novize im Augsutinerkloster in Erfurt war Martin theologisch noch weitgehend unauffällig. Über seinen Beichtvater kam er mit der mittelalterlichen Mystik in Kontakt, die eine Gotteserfahrung nicht von äußeren Taten abhängig machte, sondern innere Versenkung predigte. Das ehemalige Augsutinerkloster in Erfurt ist noch heute zu besichtigen.

© Lukas Götz, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Nach seinem Studum stieg Martin Luther schnell im Orden auf und ging als Professor der Theologie an die neugegründete Uni Wittenberg. 1517 machte er dort plötzlich mobil. Er nahm Anstoß an einer Ablasstour. Der Dominikaner Johannes Tetzel tourte durch benachbarte Territorien und sammelte Geld für den Bau des Petersdoms in Rom. Tetzel versprach, dass jede Geldspende die Tage im Fegefeuer verkürze. Sein Slogan :“ Wenn die Münz in dem Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“.

Hinter dieser Drückerkolonne verbarg sich ein finanzieller Deal. Der Erzbischof von Mainz und Magdeburg schuldete dem Papst 20.000 Goldgulden. Jakob Fugger, der Bänker aus Augsburg, hatte dem Erzbischof das Geld vorgestreckt. Die Ablasstour sollte die Summe wieder einspielen. Papst und Erzbischof hatten vereinbart, die Einnahmen brüderlich teilen.

Luther kannte die Hintergründe nicht und schrieb empört an den Erzbischof, ob er überhaupt wisse, welches Unwesen da getrieben würde. Der Professor hatte in ein Wespennest gestochen. Sein Protest ging viral. Die Drucker schmissen ihre Pressen an und bald war Luther mit seinen 95 Thesen gegen den Ablass eine deutschlandweite Berühmtheit. Von hier aus, dem Augustinerkloster in Wittenberg, organisierte Martin Luther seinen Protest.

Der Streit mit dem Erzbischof eskalierte bald. Martin Luther wurde im Rom als Ketzer angezeigt und in öffentlichen wissenschaftlichen Disputen herausgefordert. In diesen Auseinandersetzungen entwickelte Martin Luther seine Reformtheologie. Seine wichtigsten Werke schrieb er 1520: „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“, „An den christlichen Adel deutscher Nation“ und „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Das neue Massenmedium Buchdruck nutze der Reformator virtuos für seine Zwecke. Schnell war er der meistgelesene Bestsellerautor im Reich.

© Albrecht Dürer, Public domain, via Wikimedia Commons

Sein Schutzherr war der Kurfürst von Sachsen, Friedrich der Weise, der wenige Meter von Luthers Kloster im Wittenberger Schloss residierte. Friedrich freute sich über den Ruhm und die Beachtung, die Martin Luther der neugegründeten Universität verschaffte. Friedrich gehörte zu der Elite der Reichsfürsten. Als Kurfürst war er einer von sieben Kaiserwählern mit großem Einfluss auf die Reichspolitik. Deshalb konnte er seinen Professor aus Wittenberg wirksam vor Verfolgung schützen. Er sorgte dafür, dass sich Martin Luther nicht einem Kirchengericht im Rom stellen musste, sondern auf den Reichstag nach Worms geladen wurde.

© Anton von Werner, Public domain, via Wikimedia Commons

Anders als Martin Luther hoffte, blieb der junge gerade gewählte Kaiser Karl V. von seiner Lehre unbeeindruckt. Karl verbot Luthers Schriften und erklärte ihn für vogelfrei. Doch zu diesem Zeitpunkt waren die Ideen der Reformation schon in vielen Köpfen und Herzen tief verankert. Die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten.

Über den Beginn der Reformation in Deutschland spreche ich mit dem Theologen Professor Volker Leppin von der Yale University.

Hast du Feedback für mich?

Dann schreibe mir doch unter jan@99xgeschichte.de!