Mit Marian Füssel: Großbritannien war der große Sieger des Siebenjähirgen Krieges. Doch die weltweiten Schlachten hatten viel Kraft und Geld gekostet. Jetzt mussten die Löcher in der englischen Staatskasse gestopft werden. Das Parlament in London erhöhte die Steuern. Außerdem wurde den englischen Siedlern in Nordamerika verboten, sich weiter in den Westen auszubreiten. Großbritannien wollte sich finanziell konsolidieren anstatt neue Konflikte zu provozieren.
Die amerikanischen Siedler akzeptierten weder die höheren Steuern, noch ließen sie sich den Zug nach Westen verbieten. Aus ihrer Sicht waren die neuen Regeln reine Gängelei. Sie fühlten sich von dem Parlament in London nicht vertreten. „No taxation without representation“ war ihr Schlachtruf.

Die Boston Tea Party wurde der berühmteste Widerstandsmoment, als die aufständischen Amerikaner den steuerpflichtigen englischen Tee ins Hafenbecken schmissen. Aus diesem politischen Konflikt zwischen der Kolonialmacht und ihren Siedlern entwickelte sich schleichend eine militärische Auseinandersetzung.

Als Leitidee formulierten die Gründerväter 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, die mit den berühmten Worten beginnt: „Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden, worunter Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit sind.“
Doch mit dieser Erklärung war der militärische Konflikt nicht beendet. Im Gegenteil: Da ging er erst los. Die Engländer rüsteten auf und rekrutierten neue Truppen. Vor allem in Deutschland. Zu den 56.000 britischen Soldaten kamen 30.000 deutsche Söldner. Die deutschen Söldner wurden die „Hessen“ genannt, weil fast 20.000 von ihnen aus Hessen-Kassel kamen.

Der Landgraf von Hessen-Kassel war mit dem englischen König verwandt und verdiente mit der Vermietung seiner Soldaten nach Übersee viel Geld. Großbritannien zahlte insgesamt 19 Millionen Reichstaler an Hessen Kassel. Der Landgraf bediente seine Staatsschulden, investierte in Infrastruktur und baute Kassel mit dem Fridericianum und Schloss Wilhelmshöhe repräsentativ aus.


Friedrich Schiller prangerte in „Kabale und Liebe“ die Zwangsverpflichtung von jungen Männern nach Amerika an. Hier ein Zitat, in dem er einen Vater schildern lässt, wie die hessische Armee mit Aufmüpfigen umgegangen sei: „Wir hörten die Büchsen knallen, sahen ihr Gehirn auf das Pflaster spritzen, und die ganze Armee schrie: Juchhe! Nach Amerika!“
In New York wird noch heute jedes Jahr mit einer großen Parade ein deutscher General gefeiert, der auf der Seite der Amerikaner kämpfte, für die amerikanische Unabhängigkeit: Friedrich Wilhelm von Steuben. Ein preußischer Elitesoldat aus der persönlichen Meisterklasse von Friedrich dem Großen.


Benjamin Franklin war Botschafter der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung in Paris und lernte Steuben als Hofmarschall des Fürsten von Höhenzollern-Hechingen kennen. Möglicherweise hatte Steuben aufgrund seiner Homosexualität private Gründe, Europa zu verlassen. Benjamin Franklin konnte ihn dafür gewinnen, die Truppen der Unabhängigkeitsbewegung neu aufzustellen. Steuben, der anfangs kein Englisch konnte, sorgte für die Disziplinierung und den Drill der amerikanischen Soldaten. Als Generalstabschef von George Washington war er maßgeblich für den militärischen Sieg im Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten verantwortlich.
Der Krieg dauerte acht Jahre und kostete auf jeder Seite 50.000 Menschen das Leben. Mittendrin witterten die Franzosen ihre Chance, den Briten eins auszuwischen und unterstützten ab 1778 die Amerikaner in ihrem Unabhängigkeitskampf gegen die Engländer. Dazu griffen auch die Franzosen auf deutsche Truppen zurück. Das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken stellte den Franzosen ein Regiment deutscher Soldaten. Das Regiment „Royal Deux Ponts“ schickte zwei Bataillone – also 1200 Soldaten – nach Amerika, viel weniger Kämpfer als die Hessen den Briten zur Verfügung gestellt hatten. Den Zweibrückern kam aber die Ehre zu, das letzte Gefecht des Unabhängigkeitskrieges zu schlagen und die Briten zur Aufgabe zu zwingen. Nach der Schlacht von Yorktown kapitulierte Großbritannien. Das Gemälde „Kapitulation von Lord Cornwallis“ hängt in der Rotundes des Kapitols in Washington und erinnert an diese Leistung. Auf der linken Bildseite stehen die französischen Truppen. Ganz vorne in der ersten Reihe ist Freiherr Christian von Zweybrücken abgebildet. Neben ihm weht die weiße Fahne des Regiments mit dem Wappen von Pfalz-Zweibrücken.

Eine besondere Karriere hätte um ein Haar der Bruder vor Friedrich dem Großen gemacht: Heinrich von Preußen. Der Präsident des amerikanischen Kontinentalkongresses, Nathiel Gorham, schickte Steuben nach dem gewonnenen Unabhängigkeitskrieg nach Berlin, um Heinrich zu fragen, ob er König von Amerika werden wolle.

Heinrich von Preußen lehnte ab und nahezu gleichzeitig zog Nathiel Gorham das Angebot wieder zurück. Die Idee war so schnell vom Tisch, wie sie geboren war und ging als „Preußische Verschwörung“ in die amerikanische Geschichte ein.
Alle Details zu diesen Themen hört Ihr in meinem Gespräch mit Marian Füssel, Professor für die Frühe Neuzeit an der Uni Göttingen.


