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#34 Preußen: Was ist der Deutsche Orden?

Mit Jürgen Sarnowsky: Während des Interregnums, der herrscherlosen Zeit, übernahm der Deutsche Orden die Macht an der Ostsee. Schon lange vorher 1226 war der Deutsche Orden von Palästina an die Ostsee gerufen worden, um die heidnischen Prussen zu christianisieren. Mit einem jahrelangen Kreuzzug entlang der Ostseeküste unterwarf der Deutsche Orden die Prussen und missionierte sie. Aber: Was ist der Deutsche Orden überhaupt?

Der Deutsche Orden wurde 1190 im heutigen Israel in der Hafenstadt Akkon gegründet. Kaufleute aus Bremen und Lübeck wollten Pilgern Schutz, Unterkunft und vor allem Krankenversorgung bieten. Das war in der Zeit des dritten Kreuzzuges, bei dem Barbarossa  schon auf dem Hinweg ums Leben gekommen war. Wir haben in der Folge #24 zu Richard Löwenherz über diesen dritten Kreuzzug gesprochen. Für die deutschen Kreuzfahrer war er ein Desaster.  Die übriggebliebenen Deutschen, die es nach Palästina geschafft hatten, belagerten die Hafenstadt Akkon und brauchten diese medizinische Unterstützung dringend. Erst als der englische und der französische König eintrafen, wurde Akkon erobert. Hier ein aktuelles Bild des Altstadthafens von Akkon.

©israeltourism from Israel, CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons

Aus dieser Keimzelle, eines Hospitals vor den Toren der belagerten Stadt, wurde ziemlich schnell eine große Organisation. Denn einerseits stifteten viele Menschen aus der Heimat an den Deutschen Orden um den Kreuzzug und die Versorgung der Pilger zu unterstützen, und andererseits gab es auch viele junge Männer, die sich dem Orden anschlossen. Die Ruine Montfort im Norden Israels ist eine ehemalige Kreuzritterburg des Deutschen Ordens:

Burgruine Montfort
©Eran Feldman, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Allerdings gab es bereits zwei Ritterorden im Heiligen Land: Die Johanniter, die sich vor allem der Krankenfürsorge verschrieben hatten und sich erst nach vielen Jahren zu einem kämpfenden Ritterorden entwickelten, und die von Franzosen gegründeten  Tempelritter.

©David Liuzzo, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
©Liberal Freemason. Converted and corrected by myself, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Templer trugen ein rotes Kreuz auf ihrem weißen Mantel, der Deutsche Orden wählte das Schwarze Kreuz auf weißem Grund. Bald brach ein Streit um Rang und Bedeutung der geistlichen Ritterorden im Heiligen Land aus.

Der Deutsche Orden wuchs schnell, nicht nur im Heiligen Land. Überall in Europa spendeten die Gläubigen an die geistlichen Ritterorden, um für ihr Seelenheil vorzusorgen. Dem Deutschen Orden fielen auf diese Weise viele Besitztümer im Heiligen Römischen Reich zu. Er organisierte sich mit einem Netzwerk aus lokalen Niederlassungen, den Kommenden und überregionalen Bezirksverwaltungen, den Balleien.

1226 rief der polnische Herzog von Masowien den Deutschen Orden zum Kampf gegen das heidnische Volk der Prussen an der Ostsee auf. Der Papst unterstütze den Kreuzzug an die Ostseeküste und die Kaiser Friedrich II., garantierte, dass der Deutsche Orden etwaige Landgewinne behalten durfte.

1285 hatte der Orden die Macht im Land der Prussen übernommen. 1309 verlegte der Hochmeister des Deutschen Ordens seinen Sitz in die Marienburg bei Danzig. Er war der Regierungschef des Deutschordensstaates Preußen.

©Gregy, CC BY-SA 3.0 PL , via Wikimedia Commons

180 Jahre nachdem der Deutsche Orden die Macht an der Ostseeküste übernommen hatte, begann seine Macht zu bröckeln. Inzwischen war in der direkten Nachbarschaft eine osteuropäische christliche Großmacht entstanden:  durch Heirat hatte sich das Königreich Polen mit dem Großfürßtentum Litauen verbunden. Der litauische Adel konvertierte zum Christentum. Diese  Herrschaft erstreckte sich über die heutigen Gebiete Litauens, Weißrusslands und der Ukraine und wollte den vielversprechenden Küstenstreifen an der Ostsee für sich. Die erste große Niederlage erfuhren die Ritter des Deutschen Ordens in der Schlacht von Tannenberg 1410. Schließlich zwang die eigne Bevölkerung  die Deutschordensritter 1466 zum Frieden von Thorn. Westpreußen ging mit Danzig, Thorn und Marienburg an Polen und der Deutsche Orden behielt Ostpreußen mit der Hauptstadt Königsberg, musste aber den polnischen König die Treue schwören.

Alle Versuche, sich vom Lehnseid an den polnischen König loszusagen, schlugen fehl. 1525 wandelte der 37. Hochmeister des Deutschen Ordens Ostpreußen in ein weltliches Herzogtum um und gründete den ersten protestantischen Flächenstaat Europas.

©Lucas Cranach the Elder, Public domain, via Wikimedia Commons

Das weltliche Herzogtum Preußen stand zwar noch unter der Lehnsherrschaft des polischen Königs, aber mit ihm war die Keimzelle des späteren Königreichs Preußen entstanden.

In dieser Episode frage ich Jürgen Sarnowsky, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Uni Hamburg, wie der Deutsche Orden den Einsatz 4000 Kilometer von seiner Gründung im Heiligen Land organisiert hat, wie die Menschen im Deutschordensstaat lebten und warum es den Deutschen Orden im 14. Jahrhundert so viel besser als die Templer traf….

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