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#40 Karl IV. und sein goldenes Prag

Mit Eva Schlotheuber: Sein Vater hatte sich blind in die Schlacht von Crécy gestürzt und wurde als der „letzte Ritter“ berühmt. Karl IV. war ganz anders. Schon in jungen Jahren schrieb er eine Autobiografie. Das hat kein römisch-deutscher König oder Kaiser vor ihm geschafft. Karl IV. war ein Intellektueller, der reale Macht durch Verhandlungen, Schlitzohrigkeit und Symbolpolitik ersetzte. Er baute Prag zur goldenen Stadt aus und stabilisierte das Reich mit seinem ersten Grundgesetz: Der Goldenen Bulle.

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Diese beiden Bilder aus der Chronik von Jean Froissart zeigen die Schlacht von Crécy und das anschließende Zählen der Toten. Karls Vater, Johann von Böhmen, war bereits seit 6 Jahren erblindet, als er in die Schlacht ritt und starb. Aus Respekt vor diesem Mut übernahm der gegnerische englische Thronfolger Johanns Leitspruch „Ich Dien“ in das Wappen des Prince of Wales.

Sein Sohn Karl hielt sich vom Schlachtfeld fern. Denn die Kurfürsten hatten ihn zu diesem Zeitpunkt bereits als Gegenkönig zu Ludwig dem Bayern gewählt. Sie wollten den Dauerkonflikt mit dem Papst beenden und sahen in Karl IV. ihre Chance auf Frieden mit dem Kirchenoberhaupt.

Als Ludwig der Bayer ein Jahr später auf der Bärenjagd bei Fürstenfeld starb, war der Weg für Karl IV. frei. Er reiste durch das Reich und verhandelte mit den Fürsten und Städten um Anerkennung.

Der Stadt Nürnberg überließ er das königliche „Judenregal“. Er legte den „Schutz der Juden“ in die Hände der Stadt und versprach keine Sanktionen, falls es zu einer Verfolgung kommen sollte. Daraufhin wurden 1349 im Zuge der Pestpogrome 562 Juden in Nürnberg umgebracht und das Judenviertel in der Mitte der Stadt abgerissen. An der Stelle der Synagoge wurde die Marienkirche gebaut. Der „Hauptmarkt“ ist bis heute der zentrale Platz in der Innenstadt Nürnbergs.

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Dei eigentliche Stadt seines Herzens war Prag. Fast alles, was wir an Sehenswürdigkeiten dort heute noch bewundern, geht auf Karl IV. zurück. Er ließ die Neustadt anlegen, die dreimal größer als die ursprüngliche Stadt war. Mit drei Märkten und 40 Kirchen. Er ließ die Karlsbrücke über die Moldau bauen. Er baute die damals abgebrannte Burg wieder auf und gründete 1348 in Prag die erste Universität im Reich nördlich der Alpen mit deutschsprachigen Gelehrten. Auch kirchenpolitisch war er aktiv. Er sorgte dafür, dass Prag ein eigenes Erzbistum wurde und engagierte den Dombaumeister Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd, der den Veitsdom schuf. 

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Zur Aufbewahrung der Reichsinsignien ließ er eine eigene Burg bauen. 35 km von Prag entfernt. Eine weit sichtbare Höhenburg auf einem Felsen. Hoch oben im Hauptturm ließ er eine mit Gold ausgeschmückte Kapelle errichten. Dort wurden die Krone, die Heilige Lanze, das Reichskreuz, das Zepter und der Reichsapfel verwahrt. Das war keine Burg für Gäste, dort durfte niemand übernachten. Nur das Wachpersonal und die Portraits von Karl an den Wänden beschützten die heiligen Symbole seiner Herrschaft. 

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Karl IV., der Universitätsgründer, umgab sich mit Künstlern, Wissenschaftlern und Weltreisenden, von denen er sich beraten und inspirieren ließ. Giovanni de Marignolli war einer von ihnen. 15 Jahre lang war der Franziskanermönch im Auftrag des Papstes durch Asien gereist. Er durchquerte die Wüste Gobi, lebte drei Jahre am Kaiserhof in Peking und stieß in Südindien auf eine christliche Gemeinde, die er anderthalb Jahre betreute, bevor er über den Mittleren Osten zurück nach Avignon reiste. Für damalige Verhältnisse hatte Marignolli wahrlich die Welt gesehen. Karl IV. war fasziniert und überredete ihn nach Prag zu kommen, um die böhmische Geschichte aufzuschreiben.

Karls politisches Hauptwerk war die erste niedergeschriebene Verfassung des Heiligen Römischen Reiches: Die Goldene Bulle. Weil die ein solcher Meilenstein in unserer Geschichte war, werden Frau Schlotheuber und ich dazu eine Extrafolge machen. Er kam von seiner Kaiserkrönung und dem Ritt über die Alpen zurück und hatte offensichtlich das Bedürfnis, festzuschreiben, wie in Zukunft Könige und Kaiser im Heiligen Römischen Reich bestimmt werden. Welche Rechte den Fürsten zustehen und welche dem König und Kaiser. Damit stabilisierte er die politischen Grundpfeiler des Reiches.

Gegen Ende seines Lebens erreichte er, was in den 200 Jahren vor ihm kein deutscher Herrscher mehr geschafft hatte, die Fürsten akzeptierten seinen 15 Jahre alten Sohn Wenzel als seinen Nachfolger. 1376 wählten sie Wenzel zum Herrscher. 

Mit Prof. Dr. Eva Schlotheuber von der Uni Düsseldorf spreche ich über Karls Leben , seinen Vater, den „letzten Ritter“ und Karls Liebe zu Prag.


Personen:


Karl IV. (1316-1378), Herrscher der Luxemburgerdynastie, römisch-deutscher König seit 1346,Taufname Wenzel, König von Böhmen seit 1347 und römisch-deutscher Kaiser seit 1355. Karl IV. erließ 1356 auf den Hoftagen von Nürnberg und Metz → die Goldene Bulle #41


Ludwig IV. von Wittelsbach, genannt „der Bayer“(1286-1347), Herrscher aus der Dynastie der bayerischen Wittelsbacher,1314-1322 Thronstreit mit dem Habsburger Friedrich dem Schönen, seit 1323/1324 bis zu seinemTod von den Päpsten gebannt.


Johann von Luxemburg (1296-1346), Vater Kaiser Karls IV. aus der Dynastie der Luxemburger, von 1311-1346 König von Böhmen, auch Johann der Blinde aufgrund seiner Augenerkrankung genannt.

Elisabeth von Böhmen (1392-1330), Königin von Böhmen seit 1310, Tochter des böhmischen und polnischen Königs Wenzels II., Gemahlin Johanns von Luxemburg und Mutter Kaiser Karls IV.

Blanca Margarete von Valois (1316/1317-1348), französische Prinzessin und Schwester des französischen Königs Philipp VI. von Valois, Blanca wurde 1323 in Paris mit Karl IV. vermählt, Königin von Böhmen 1347-1348.


Heiliger Wenzel (um 908-929/935), böhmischer Fürst aus der Dynastie der Přemysliden, der das Christentum annahm und schon seit dem 10. Jh. als Heiliger verehrt wurde. Im Hochmittelalter wurde der Hl. Wenzel zum böhmischen Landespatron und wichtigem ‚Bezugspunkt‘ des böhmischen Adels.


Karl IV. von Frankreich (1294-1328), seit 1322 König von Frankreich aus der Dynastie der Kapetinger. Kaiser Karl IV., der damals noch seinen Taufnamen Wenzel trug, wurde an seinem Hof erzogen. Karl IV. verlieh ihm als sein Firmpate den eigenen Namen Karl. Als er 1328 ohne männlichen Erben starb, führte die Königserhebung Philipp VI. von Valois zum Ausbruch des Hundertjährigen Krieges, weil auch der englische König Eduard III. über seine Mutter Isabella von Frankreich Anspruch auf den
französischen Thron erhob.


Eduard III. von England (1312-1377), englischer König aus der Dynastie der Anjou-Plantagenet, von 1327-1377 König von England.

Balduin von Luxemburg (1328-1354), seit 1307 Erzbischof von Trier und Kurfürst des Römisch-deutschen Reichs aus der Dynastie der Luxemburger. Er war der Bruder des ersten römisch-deutschen Kaisers aus der Dynastie der Luxemburger Heinrich VII. und Großonkel Kaiser Karls IV. undmaßgeblich am Aufstieg der Familie beteiligt.


Papst Clemens VI., Pierre Roger (um 1290-1352), war ein französischer Benediktiner und Kanzler von Frankreich. 1338 wurde er Kardinal und 1342 zum Papst gewählt. Clemens VI. war maßgeblich an der Wahl Karls IV. 1346 zum Gegenkönig gegen den regierenden Ludwig IV. von Wittelsbach beteiligt.

Wenzel IV. (1361-1419), Sohn Kaiser Karls IV., seit 1363 König von Böhmen, und von 1376 bis zu seiner Absetzung durch die Kurfürsten im Jahr 1400 römisch-deutscher König.


Dante Alighieri (1265-1321), italienischer Dichter und Frühhumanist aus Florenz, der das Italienische zur Literatursprache führte. Verfasser der „Göttlichen Kommödie“ (Divina Commedia), der gegen den Machtanspruch der Kirche in Italien die Kaiserherrschaft und Karls Großvater Heinrich VII. mit seinen Schriften unterstütze.


Francesco Petrarca (1304-1374), italienischer Dichter, Humanist und Diplomat, der sich im umkämpften Italien für die Wiedererrichtung der römischen Kaiserherrschaft einsetzte. Er war mit Kaiser Karl IV. persönlich bekannt, den er in Prag besuchte und der ihn beauftragte, 1361 die berühmte Habsburgische Fälschung des ‚Privilegium maius‘ auf ihre Echtheit zu überprüfen.


Giovanni de Marignoli (um 1290-1357/1359), italienischer Franziskaner aus Florenz, den PapstBenedikt XII. zum Päpstlichen Gesandten ernannte und 1338/1339 an den Hof des Kaisers von China schickte. Nach seiner Rückkehr 1353 traf er Kaiser Karl IV., der ihn zu seinem Hofkaplan ernannte und ihn mit der Abfassung einer Weltchronik betraute, in die Marignoli seine Reiseerinnerungen einflocht.


Ruprecht von der Pfalz (1352-1410), aus der Dynastie der pfälzischen Wittelsbacher, residierte in Heidelberg und war von 1398 Pfalzgraf bei Rhein und Kurfürst. 1400 wurde er gegen den Sohn Karls IV., Wenzel IV., zum römisch-deutschen König gewählt.

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