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#47 Schlafmütze oder Kaiser der Superlative – Wer war Friedrich III.?

Mit Tobias Daniels: a.e.i.o.u. war sein rätselhaftes Markenzeichen. Kaiser Friedrich III. von Habsburg ließ die Buchstabenkombination überall anbringen. Schon seine Zeitgenossen rätselten warum. Bis heute weiß keiner, was sie genau bedeuten. Auch der Charakter des Kaisers bleibt rätselhaft.

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Jahrhundertelang schimpften ihn die Historiker die „Erzschlafmütze“ des Heiligen Römischen Reiches, weil er sich selten blicken ließ. Tobias Daniels hält ihn dagegen für den Kaiser der Superlative. 53 Jahre lang hat er das römisch-deutsche Reich regiert. Die Rekordamtszeit in der deutschen Geschichte. Und obwohl die Kurfürsten unzufrieden mit ihm waren, wählten sie seinen Sohn Maximilian zu seinem Nachfolger. Damit legte Friedrich den Grundstein für die über 380 Jahre lange Herrschaft der Habsburger.

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Das prägendste Ereignis in seiner Regierungszeit war der Fall von Konstantinopel. Nicht nur wegen der Symbolkraft. Mit der Hagia Sofia stand dort die größte christliche Kirche der Welt. 2 Jahre nach seiner Kaiserkrönung eroberten die Osmanen das ehemalige Bollwerk der Christenheit. Mit bis dahin ungekannt großen Kanonen schossen sie die Hauptstadt des oströmischen Reiches sturmreif.

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Auch für den damaligen Welthandel war die Eroberung ein Problem. Denn mit Konstantinopel kontrollierten die Osmanen einen wichtigen Zugang zur Seidenstraße. Deshalb war es für den Westen so wichtig, neue Seewege nach Indien zu finden. Der Papst rief zu einem neuen Kreuzzug auf, um Konstantinopel und Jerusalem von der osmanischen Herrschaft zu befreien. Aber die Reichsfürsten waren nicht bereit und Friedrich III. wartete ab.

Er selbst war in den Kämpfen um die Herrschaft in Ungarn, Böhmen und seinen ehemaligen schweizer Erblanden so gebunden, dass er 27 Jahre lang das Reich nördlich der Alpen nicht betrat.

Erst im Jahr 1471, änderte sich der Fokus von Friedrich III.. Er wandte sich der Reichpolitik zu und besuchte zusammen mit seinem 12jährigen Sohn Maximilian den Reichstag in Regensburg. Die Regensburgerinnen und Regensburger klatschten, als der Kaiser in ihre Stadt ritt. Nicht ohne Grund hatte er seinen Sohn Maximilian mitgenommen. Friedrich wollte für ihn eine Ehe anbahnen. Dafür nahm er das wohlhabendste Aufsteigerreich der damaligen Zeit ins Auge: Das Herzogtum Burgund. Der Bruder des französischen Königs hatte begonnen, auf dem Mittelstreifen zwischen Frankreich und Deutschland ein eigenständiges Reich aufzubauen. Das Herzogtum Burgund sollte von den Alpen bis zur Nordsee reichen. Das reiche Flandern mit dem lukrativen Tuchhandel eingeschlossen. Sein Sohn, Karl der Kühne, war inzwischen einer der reichsten Männer Europas und hatte hochfliegende Pläne. Karl der Kühne (unten rechts im Bild, gemalt von Rogier van der Weyden) wollte selber Kaiser werden. Er bot seine Tochter Maria von Burgund (unten links, gemalt von Michael Pacher 1479) als Braut für Maximilian an. Unter einer Bedingung: Friedrich sollte ihm die Kaiserkrone überlassen.

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Karl der Kühne
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Die Eheverhandlungen platzen nach einem mehrwöchigen Treffen in Trier. Wenige Jahre später machte Karl der Kühne den größten Fehler seines Lebens. Er legte sich mit den Schweizer Eidgenossen an und starb in der Schlacht von Nancy. 1477 war das reiche Herzogtum Burgund ohne Herzog. Karls Tochter, Maria von Burgund, war die Alleinerbin und rang um Macht und Anerkennung. Sie hatte mächtige Gegner: Der französische König wollte sich Burgund einverleiben und die reichen Kaufleute in Gent und Brügge strebten nach Unabhängigkeit. Die von allen Seiten bedrängte Maria brauchte nun eine starke Allianz und fand sie in Maximilian von Habsburg, dem Sohn des Kaisers. Jetzt realisierten sich die seit Jahren brachliegenden Hochzeitspläne. Jahre später ließ Maximilian I. seine Reise zu Maria in einem Bilderbuch fiktional verklären. Sich selber gab er den Namen: „Ritter Theuerdank“:

Durch gemeinsame Tatkraft konnten Maria und Maximilian die Eigenständigkeit Burgunds erhalten. Doch das Glück der beiden dauerte nicht lange. Maria starb 5 Jahre nach der Hochzeit bei einem Reitunfall. Jetzt musste sich Maximilian erneut durchsetzen gegen die selbstbewussten Städte und den französischen König. Sein Vater war keine Hilfe, der kämpfte zu dieser Zeit wieder um Ungarn.

Auch wenn Friedrich III. seinem Sohn militärisch nicht zur Hilfe kommen konnte, setzte er durch, dass Maximilian 1486 von den Kurfürsten zu seinem Nachfolger als römisch-deutscher König gewählt wurde.

1493 endet der Krieg zwischen Maximilian und Frankreich um Burgund endgültig. Der Habsburger verteidigte den reichen Norden: Brabandt, Flandern, Holland und Luxemburg gehörten von nun an zum Habsburger Reich. Diese dauerhafte Erweiterung des Habsburger Reiches an der Nordseeküste hat Friedrich III. gerade noch miterlebt. Er starb wenige Monate später in Linz nach einer Beinamputation. Die Operation war ein öffentliches Ereignis in Anwesenheit des Hofes.

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Friedrich III. wurde 78 Jahre alt. Er wurde in einem Prunkgrabmal im Stephansdom in Wien bestattet.

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Über den rätselhaften Kaiser und die Frage, warum gerade unter seiner Herrschaft das Heilige Römische Reich den Namenszusatz „deutscher Nation“ bekam, spreche ich mit Tobias Daniels von der Uni Heidelberg.

Das „Personal“ dieser Folge:

Friedrich III. (1415-1493) aus dem Haus Habsburg, römisch-deutscher König seit 1440 und römisch-deutscher Kaiser seit 1452, hält mit seinen 53 Regierungsjahren den Rekord auf dem römisch-deutschen Thron.

Eleonore von Portugal (1436-1467) heiratete Friedrich III. 1452 und wurde selbst zur Kaiserin gekrönt. Mutter von Maximilian I.

Maximilian I. (1459-1519) Sohn von Friedrich III., römisch-deutscher König seit 1486 und Kaiser ab 1508. Durch die Heirat mit Maria von Burgund gewann er zusätzlich zu Österreich die Herrschaft über die Niederlande für das Haus Habsburg.

Karl der Kühne (1433-1477), seit 1467 Herzog von Burgund. Einer der reichsten europäischen Herrscher seiner Zeit. Vater von Maria von Burgund. Forderte für die Eheschließung seiner Tochter mit Maximilian I. die Kaiserkrone von Friedrich III. Erfolglos. Karl starb in der Schlacht von Nancy 1477 und hinterließ seine Tochter Maria als Alleinerbin.

Maria von Burgund (1457-1482), seit 1477 Herzogin von Burgund. Heiratete nach dem Tod ihres Vaters Maximilian I. Zusammen bewahrten sie das Herzogtum Burgund vor dem Zugriff des französischen Königs. Fünf Jahre nach der Hochzeit starb Maria an den Folgen eines Reitunfalls.

Sigismund (1368-1437) aus dem Haus Luxemburg war der Vorvorgänger von Friedrich III. als römisch-deutscher König und Kaiser.

Jan Hus (1370-1415) tschechischer Prediger und Universitätsprofessor, der Missstände in der Kirche anprangerte. Er wurde 1415 als Ketzer auf dem Konzil von Konstanz verbrannt. Nach seinem Tod revoltierten seine Anhänger, die Hussiten, in Böhmen. Die Hussitenkriege hielten Osteuropa und König Sigismund zwei Jahrzehnte in Atem.

Matthias Corvinus (1443-1490), König von Ungarn seit 1458. Eroberte 1485 Wiener Neustadt und Wien und vertrieb Friedrich III. zeitweise. In der Hofburg residierte er fünf Jahre bis zu seinem Tod.

Enea Silvio Piccolomini (1405-1464), seit 1458 Papst Pius II. Berühmter Humanist und Dichter, der als Papst die Herrscher Europas erfolglos zu einem Kreuzug zur Befreiung Konstantinopels, Jerusalems und gegen die osmanische Invasion drängte

Amerigo Vespucci (1454-1512), der Italienische Kaufmann und Seefahrer erkundete die Ostküste Amerikas und stellte als erster fest, dass es sich um einen eigenen Kontinent handelt. Deshalb ist der Kontinent nach ihm benannt.

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