Ende des 17. Jahrhunderts traten Vernunft und Logik, Rechtsstaatlichkeit und Toleranz, Wissenschaft, Pressefreiheit und die Idee des Naturrechts ihren Triumphzug durch Europa an. Philosophen, Politiker und Juristen begannen, die bisherige Ordnung der Welt zu hinterfragen. Die geistig-soziale Bewegung wirkte sich auf viele unterschiedliche Lebensbereiche aus. Auf die Landwirtschaft, die Bildung, das bürgerliche Selbstbewusstsein, die Religion, die Justiz und auch die Geschlechterrollen. Alles wurde auf den Prüfstand gestellt und die Vernunft war der Maßstab.
Ins Englische übersetzt heißt Aufklärung: „Ideas oft the Enlightment“ also der „Erleuchtung“, wenn man das wörtlich übersetzt.

Die Begriffe „Enlightment“ oder „Aufklärung“ wurden nicht erst Jahrhunderte später erfunden, schon die Menschen damals haben das Phänomen so genannt. Die Zeitgenossen hatten das Gefühl, in einer großen Umbruchszeit zu leben. Man suchte nach der besten Definition für das Phänomen. „Was ist Aufklärung?“ War eine akademische Preisfrage in der Berlinischen Monatsschrift, auf die es dann eine berühmte Antwort gab.


Der Philosoph Immanuel Kant lieferte mit seiner Antwort auf die Preisfrage die Interpretation: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Seine Aufforderung an den Menschen: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ wurde zum Motto dieser Zeit.

Neu waren vor allem die standesübergreifenden Diskussionsmöglichkeiten, die literarische Salons, Kaffeehäuser oder Freimaurerlogen boten. Ihnen allen war gemein, dass man sich jenseits der höfischen Sitten traf und frei miteinander sprechen konnte.


Insbesondere die Freimauerlogen waren ein Ort des offenen Gesprächs, denn ihre Mitglieder waren zur absoluten Geheimhaltung verpflichtet. Man nahm sich die mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften an den Dombauhütten zum Vorbild, die Ihr Wissen über den Dombau nur mit Eingeweihten diskutierten. Diese Szene zeigt dein Aufnahmeritual für einen neuen Freimaurer.

Auch Friedrich der Große war Freimaurer. Er trat als Kronprinz ohne das Wissen seines Vaters in Braunschweig der Freimaurerbruderschaft bei. Damit war er der erste preußische Monarch, der zu einer Freimaurerloge gehörte. Als junger Mann war Friedrich von den Ideen der Aufklärung begeistert. Er begann eine Brieffreundschaft mit dem französischen Philosophen Voltaire, die aber später in gegenseitigen Hass umschlug.

Als Friedrich den Thron bestieg, schaffte er als erster Monarch Europas die Folter ab, er stärkte die Unabhängigkeit der Gerichte, führte die Schulpflicht ein und progagierte den Kartoffelanbau in Preußen. Wie seine Vorfahren praktizierte er religiöse Toleranz. Selbst calvinistischen Glaubens ließ er die Katholische St. Hedwigskathedrale in Berlin bauen.

Doch wie weit ging sein aufklärerisches Bewußtsein wirklich? Als absolutistischer Herrscher war er keinesfalls bereit, seine eigene Herrschaftsmacht zu beschränken. Die Aufklärung brachte er dort voran, wo das neue Denken sein Königreich effizienter und das Leben der Untertanen leichter machte. War er ein wirklicher Vorreiter oder ritt er gekonnt auf der Welle? Darüber spreche ich in dieser Episode mit Barbara Stollberg-Rilinger. Die Historikerin ist Professorin für die Frühe Neuzeit und Rektorin des Wissanschaftskollegs zu Berlin.


