Mit Herfried Münkler: Nach ihrer großen Niederlage in Böhmen und Heidelberg schlugen die Protestanten in Deutschland ein neues Kapitel der Auseinandersetzung auf. Die norddeutschen Protestanten animierten den dänischen König, zu den Waffen zu greifen. Christian IV. (unten links) war König von Dänemark und Norwegen und gleichzeitig Herzog von Holstein und damit auch deutscher Reichsfürst. Die norddeutschen Fürsten wählten ihn zum Obersten des Niedersächsischen Reichskreises, und Christian machte jetzt für die protestantische Sache mobil.


Auch auf der katholischen Seite trat in dieser Zeit ein neuer mächtiger Player auf die Kriegsbühne. Wallenstein (oben rechts). Ein Söldnerführer, der direkt für den Kaiser kämpfte und einen genialen Plan hatte. Wonach Startups von heute so sehr streben, hat er schon vor 400 Jahren perfektioniert: das Hochskalieren. Er blähte sein Heer auf eine damals ungekannte Größe auf, 50.000 Mann. Die Abschreckung war seine beste Waffe. Gegen so ein Heer wollte gar keiner mehr antreten. So ein Riesenheer aus dem Boden zu stampfen, es zu unterhalten und zu bewegen, dazu gehörte eine unglaubliche Logistik. Er war mehr Kriegsmanager als Feldherr. Entscheidungsschlachten wich er aus. Stattdessen trieb er die gegnerischen Truppen vor sich her und schnitt ihnen die Nachschubwege ab.
Und Wallensteins Plan ging auf. Neben den Truppen der katholischen Liga, die Tilly anführte, war Wallensteins Riesenheer ein völlig neuer Machtfaktor, dem die protestantische Seite nichts entgegenzusetzen hatte. 1627 war der dänische König geschlagen und das dänische Festland besetzt.
Dieser dritte große Sieg der katholischen Seite führte 1629 zum Frieden von Lübeck. Der dänische König bekam sein Land zurück und schwor, sich nicht weiter einzumischen. Auch hier wäre wieder ein Punkt gewesen, die Waffen niederzulegen. Aber in ihrem Siegestaumel überzog es die katholische Seite. Mit seinem Restitutionsedikt verpflichtete der Kaiser die protestantischen Fürsten, alle ehemaligen kirchlichen Güter zurückzugeben. Die Rückgabepflicht bezog sich auf alle Kirchengüter, die die protestantischen Landesherren in den zurückliegenden 77 Jahren übernommen hatten.

Der Dänische König zog sich geschlagen zurück und die Protestanten suchten weiter nach Unterstützung im Widerstand gegen den katholisch-absolutistischen Kaiser. Ein Jahr später machte deshalb der protestantische schwedische König mobil. Gustav II. Adolf setzte über die Ostsee. Er landete erst auf Usedom und hatte wenig Probleme ganz Pommern zu übernehmen. Wallenstein war nach dem letzten Sieg als Feldherr abgesetzt worden und dem schwedischen König gelang es, sich Wallensteins beschäftigungslose Söldnern zu sichern.

Wallenstein war noch immer außer Dienst gestellt. Deshalb war Tilly zu der Zeit der einzige große Herrführer auf der katholischen Seite. Angesichts der schwedischen Bedrohung wurde er aktiv. Allerdings griff Tilly die Schweden nicht direkt an, sondern eine Hochburg der Protestanten: Magdeburg. Seine Truppen brannten 1631 Magdeburg fast vollständig nieder. Die Menschen im Reich waren erschüttert von dem Ausbund der gnadenlosen Brutalität.


Im Herbst 1631 setzte der schwedische König dann zu seinem schnellen Siegeszug durch Deutschland an. Von der Ostseeküste über Sachsen, Würzburg, Hanau, Frankfurt bis an den Rhein. Weihnachten 1631 nahm Gustav Adolf Mainz ein und stand damit im Herzen des Reiches. Im Frühjahr besiegte er Tilly an der Donau. Der gefürchtete Feldherr für die katholische Sache kam in der Schlacht um. Tillys Grab ist noch heute in Altötting zu besichtigen. Gustav Adolfs Siegeszug ging weiter: Er eroberte München.
Ursprünglich ging es dem schwedischen König um die Vorherrschaft an der Ostsee. Jetzt stand er nach raschen Feldzügen am Rhein und in Bayern.
In dieser fast aussichtslosen Lage für die katholische Seite wurde Wallenstein reaktiviert. Er kehrte mit einem Heer zurück, dass größer war als je zuvor: 100.000 Mann. Tatsächlich gelang es ihm, in der Schlacht von Lützen den schwedischen König zu schlagen. Von Kugeln getroffen kippte Gustav Adolf aus dem Sattel und wurde von seinem Pferd zu Tode geschleift.

Ihr König war tot. Die Schweden transportierten Gustav Adolf in einem Ehrenzug von Lützen nach Stockholm.

Aber die Schweden waren keinesfalls besiegt. Sowohl die schwedischen Truppen als auch Wallenstein zogen sich zurück und sortierten sich neu. Danach kam es zu wenigen großen Feldzügen, stattdessen setzte eine Politik der Nadelstiche ein. Die „Dragoner“, besonders schlagkräftige berittene Infanterieeinheiten, streiften durchs Land und verwüsteten die gegnerischen Territorien. Der Krieg wurde zunehmend auf dem Rücken der einfachen Leute ausgetragen. Der Stich von Jacques Callot und das Gemälde des flämischen Malers Sebstian Vrancx zeigen das Leid, das marodierende Soldaten über die Menschen brachten.


Und Wallenstein ergriff eine Initiative, die ihn wenig später das Leben kosten sollte. Er begann, auf eigene Faust Friedensverhandlungen mit den Schweden zu führen. Der Kaiser und der Kriegsrat in Wien werteten das als Hochverrat. Wallenstein war ihnen schon viel zu lange viel zu mächtig. Im Februar 1634 wurde Wallenstein durch Auftragskiller des Kaisers ermordet.

In dieser Folge spreche ich mit Herfried Münkler über die Frage, ob und wann der Dreißigjährige Krieg hätte früher beendet werden können. Und warum mit dem Tod Wallensteins der letzte Visionär abtrat, der für ein früheres Ende hätte sorgen können.


