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#67 Wie stark war August der Starke?

Mit Andreas Rutz

August der Starke gründete die erste Porzellanmanufaktur Europas, ließ den Zwinger in Dresden bauen, füllte das Grüne Gewölbe mit seinen Kostbarkeiten, er gründete die Dresdener Gemäldesammlung, eröffnete als erster Monarch Europas öffentliche Museen und feierte jährlich mindestens 60 überbordende Feste. Dazu ließ er sich zum König von Polen krönen, wofür er mal eben katholisch wurde. Und das ausgerechnet in Sachsen, das immer die Schutzmacht der Protestanten war.

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Wir sind in der Nachkriegszeit des Dreißigjährigen Krieges. Der Großvater von August dem Starken, Johann Georg II., begann ziemlich schnell nach dem Ende des Krieges mit dem Geldausgeben. Er investierte in Kunst und Kultur. Sachsen hatte zwar unter dem Krieg sehr gelitten, viele Regionen waren verwüstet, aber die Silberminen im Erzgebirge, die überregionalen Handelsrouten, die Leipziger Messe und die sächsische Handwerkskunst sorgten dafür, dass sich das Kurfürstentum schneller wirtschaftlich erholte als andere deutsche Regionen. Aus den sprudelnden Einkünften der sächsischen Silberminen finanzierte Johann Georg II. bald wieder ein ausschweifendes Hofleben.

Der Vater von August, Johann Georg III., wollte alles anders machen als der Großvater. Er sparte bei der Kunst und rüstete auf und unterstützte den Kaiser im Kampf um Wien gegen die Osmanen. Über den „Sächsischen Mars“ haben wir auch in der letzten Folge gesprochen.

August vereinte den großväterlichen Hang zur Prachtenfaltung mit der kämpferischen Attitüde seines Vaters. Insbesondere hat ihn seine ausführliche Kavalierstour als junger Mann durch die Hauptstädte Europas für Kunst und Prachtentfaltung sensibilisiert.

Den Zwinger in Dresden ließ er -aus finanziellen Gründen – zunächst aus Holz errichten.

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Der Schatz im Grünen Gewölbe und der prachtvolle Ausbau seiner Residenzstadt gehen auf seine Initiative zurück.

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Doch die Prachtenfaltung alleine reizte ihn nicht. Er wollte sie mit wirklicher Macht hinterlegen und bewarb sich um die Krone in seinem Nachbarland Polen. Die Karte zeigt, wieviel größer Polen verglichen mit dem Kurfürstentum Sachsen (beide grün umrandet) damals war.

© Von Friedrich Wilhelm Putzger (1849–1913) – F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas, 1905 maproom.org, Bild-PD-alt, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=5022637

Polen war eine Wahlmonarchie, und das Bewerbungsverfahren für ausländische Bewerber offen. Über 20 Kandidaten: Neben dem Sohn des verstorbenen polnischen Königs bewarben sich auch der Kurfürst von der Pfalz, der Markgraf von Baden-Baden und der Kurfürst von Bayern. Augst der Starke war also nicht der Einzige, der seinen Hut in den Ring warf. Aber mit diplomatischen Tricks, dem Einsatz von Ellenbogen und dem Einsatz von 39 Millionen Talern setzte er sich durch. Am 15. September 1697 wurde er in Krakau zum polischen König gekrönt.

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Zweieinhalb Jahre nach seiner Krönung griff August – als polnischer König – Riga an und löste damit den Großen Nordischen Krieg aus. 21 Jahre lang kämpften Russland, Schweden, Dänemark, Polen, und Sachsen um die Vorherrschaft an der Ostsee.

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Der Krieg schlug auf das Kurfürstentum zurück. Die Schweden besetzten ein Jahr lang Sachsen und entrissen August die polnische Krone. Erst nach drei Jahren, als der russische Zar die Schweden besiegte, erhielt er die Krone zurück.

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Augusts Frau, Christiane Eberhardine (unten links), weigerte sich, gemeinsam mit ihrem Mann zum katholischen Glauben überzutreten. Sie reiste nie nach Polen. Auch seine Lieblingsmätresse Gräfin Cosel war gegen die Übernahme der polnischen Krone. Als August die Beziehung zu einer neuen polnischen Mätresse einging, weigerte Gräfin Cosel sich, abzutreten. Sie drohte, sein schriftliches Heiratsversprechen und andere Staatsgeheimnisse öffentlich zu machen. Daraufhin sperrte August sie lebenslang auf der Burg Stolpen ein.

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1730 lud August der Starke zum „Zeithainer Lustlager“ es wurde das größte Militär- und Barockspektakel Europas. Zehn Jahre nach dem Ende des nordischen Krieges präsentierte August der Starke seine aufgerüstete Armee. 48 europäische Fürsten feierten vier Wochen lang in einem riesigen prunkvollen Zeltlager. Auf dem entgegengesetzten Elbufer wurde aus Holz- und Leinwand ein Feenschloss erleuchtet. Man bewunderte ein fünfstündiges Feuerwerk und es wurde ein 7 Meter langer Riesenstollen gebacken.

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August starb im Alter von 62 Jahren. 1733 wurde sein Leichnam in der Wawel- Kathedrale in Krakau bestattet. Sein Herz schickte er nach Dresden. Dort wird es in einer goldenen Kapsel in der Hofkirche aufbewahrt.

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Warum wollte der Kurfürst von Sachsen auch König von Polen werden? Was musste er dafür tun? Was hat ihm die Krone gebracht? Und wie finanzierte er seine ganzen Projekte eigentlich? Darüber spreche ich mit Andres Rutz, Professor für Sächsische Landesgeschichte an der TU Dresden und Direktor des Institutes für Sächsische Geschichte und Volkskunde.

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