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#45 Sigismund, Jan Hus und das Konzil von Konstanz

Mit Julia Burkhardt:

Als Sigismund 1411 König wurde, war er 43 Jahre alt. Ein bewegtes Leben lag bereits hinter ihm. Seit 24 Jahren war er König von Ungarn und hatte gelernt, sich machtpolitisch durchzusetzen.

Als römisch-deutscher König stellte er sich der Aufgabe, das große Schisma, also die Teilung der Kirche unter drei Päpste, zu überwinden.

Sigismund lud im November 1414 Vertreter der gesamten Christenheit zum Konzil nach Konstanz. Schätzungsweise waren es mehr als 50.000 Konzilsteilnehmer, die in die kleine Stadt am Bodensee strömten. 33 Kardinäle, 300 Bischöfe, 500 Äbte, Heerscharen von Gelehrten, Unterhändlern und Bodyguards. Sogar 700 Prostituierte wurden offiziell registriert. Die 50.000 Menschen blieben jahrelang. Die Statue Imperia mit einem nackten Kaiser und einem unbekleideten Päpstlein in den Händen, erinnert seit 1993 im Konstanzer Hafen an das Ereignis.

© Dietrich Krieger, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

4 Jahre dauerte der Ausnahmezustand am Bodensee. Eine bewegte Verhandlungszeit. Der Papst aus Pisa floh nach 5 Monaten verkleidet als Stallknecht nach Freiburg. Der Papst aus Rom trat freiwillig zurück und der aus Avignon wurde abgesetzt. Damit war der Weg für eine neue Papstwahl frei.

© Rosgartenmuseum, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Wahl des Papstes fand gleich in Konstanz am Hafen statt. Das Gebäude steht heute immer noch.

© Jan Schulte-Kellinghaus

Ein Warenlager funktionierte man zum Konklave um und einigte sich endlich auf nur einen Papst: Martin V. Das große Schisma war beendet. 7 Jahre nach seiner Königswahl hatte Sigismund sein Ziel erreicht. Er war auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Umso erstaunlicher, dass das Schicksal eines einfachen tschechischen Predigers, die restliche Regierungszeit von Sigismund dominieren sollte. Jan Hus wetterte in der Bethlehemskapelle in Prag täglich vor 3000 Gläubigen gegen die Verweltlichung der Kirche.

© Jenský kodex, Public domain, via Wikimedia Commons

Während des Konzils machte die Amtskirche dem Reformgelehrten den Prozeß. Er starb auf dem Scheiterhaufen in Konstanz, obwohl König Sigismund ihm freies Geleit zugesichert hatte.

©Sassetta, Public domain, via Wikimedia Commons

Daraufhin brachen in Böhmen die Hussitenkriege aus, die Sigismund und die Reichspolitik Jahrzehnte in Atem hielten. Ihre mobilen Wagenburgen bestanden aus vielen hundert zusammengeketteten Ochsenkarren. Sie machten die hussitischen Truppen fast unbesiegbar.

© Public domain, via Wikimedia Commons

Ich spreche mit der Julia Brukhardt, Professorin für mittelalterliche Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, über den zupackenden König- und Kaiser und die Voraussehbarkeit der Revolte in Böhmen.

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