Mit den Epochentrottern: Die junge verheiratete Frau nimmt einen Einsiedler über Nacht auf und sorgt schon zu Beginn des Abends dafür, dass er seine Erregung in einem eiskalten Bottich abkühlt…Bilder wie dieses illustrieren einen Bestseller des frühen Buchdrucks. Ein moralischer Ratgeber für junge Frauen. Eine Anleitung zu Sittsamkeit und Anstand. „Ritter von Thurn“ heißt diese Ratschlagssammlung, die 400 Jahre lang gedruckt und gelesen wurde.
Immer mehr Menschen konnten im späten Mittelalter lesen. Das Papier löste langsam das Pergament ab und der Druck wurde erfunden. Mit der Einführung der beweglichen Lettern, 1450, eröffneten Drucker wie Johannes Gutenberg dem Büchermarkt ganz neue Möglichkeiten. In kurzer Zeit verbreiteten sich Druckereien in ganz Europa und produzierten sehr unterschiedliche Druckwerke in Auflagen von 300 bis 1000 Stück.

Bücher wurden überregional gehandelt, weil die potentiellen Leser und Käuferinnen sehr verstreut an vielen unterschiedlichen Orten des Reiches zu finden waren. Die Drucker produzierten die „Bücher“ in der Regel ungebunden. So waren sie leichter zu transportieren. Als Papierstapel wurden sie in Holzfässern zu den überregionalen Messen transportiert.

Gleich zu Beginn entwickelten sich die Messen in Frankfurt am Main und Leipzig zu beliebten Zentren des Buchhandels. Noch heute zeugt die „Buchgasse“ in Frankfurt nahe am Mainkai von den Anfängen des Handels mit gedruckten Büchern in Frankfurt.

Martin Luther war der Bestsellerkönig seiner Zeit. Er war der erste, der den Buchdruck virtuos für seinen Glaubenskampf zu nutzen wußte. Doch neben seinen Schriften, vielen anderen religiösen Drucken und Neuauflagen von antiken Denkern entwickelte sich ein Markt für Humor-, Abenteuer- und Ratgeberliteratur.

Die Schwänke des Till Eulenspiegel, der mutmaßlich Ende des 14. Jahrhunderts in Norddeutschland seinen Spaß trieb, wurden Anfang des 16. Jahrhunderts zu vielgedruckten Bestsellern. Auch die Reiseberichte des Marco Polo hatten in der gedruckten Form Konjunktur. Die Geschichte seiner Abenteuer, die er 1298 in Gefangenschaft diktierte, wurde 1477 in Nürnberg zum ersten mal gedruckt.
Der „Ritter von Thurn“ gehört zu einer damals populären Ratgeberliteratur, die heute vergessen ist. Mit Holzschnitten illustriert erzählt der Ritter von Thrun seinen Töchtern Geschichten, die sie zu einer sittsamen Lebensführung ermahnen sollen.



Was waren die Bestseller des beginnenden Buchdrucks? Welche Geschichten haben die Menschen vor 500 Jahren am liebsten gelesen? Und wie kamen die ersten gedruckten Bücher ohne Buchhandlungen oder Versandhandel an ihre Leserinnen und Leser?
Diese Fragen kläre ich in dieser Episode mit den Epochentrottern. Katharina ist Literaturwissenschaftlerin und Marvin Historiker. Zusammen blicken sie ihrem Geschichtspodcast hinter die Geschichtsbilder in Popkultur und Medien.


