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#68 Friedrich der Große und Maria Theresia

Mit Barbara Stollberg-Rilinger: Maria Theresia und Friedrich der Große pflegten eine besonders prominente Feindschaft in der deutschen Geschichte. Maria Theresia war Erzherzogin von Österreich, Königin von Ungarn und Böhmen. Friedrich II. („genannt der Große“) Markgraf von Brandenburg und König in Preußen. Beide kamen im selben Jahr auf ihren Thron, nämlich 1740. Den europaweiten Streit um Maria Theresias Regierungsantritt nutzte Friedrich aus (Das Beitragsbild ist mit KI erstellt, in Wahrheit sind sie sich nie persönlich begegnet). Während verschiedene Fürstenhäuser eine Frau an der Spitze des Habsburgerreiches nicht akzeptierten und Ansprüche auf Maria Theresias Erbe erhoben, überfiel und besetzte Friedrich Schlesien. Schlesien war eine wirtschaftlich blühende Provinz im Reich von Maria Theresia. Die Okkupation Schlesiens stand am Anfang eines Konflikts, der 23 Jahre dauerte, Europa in Atem hielt und beide Monarchen an den Rand ihrer Existenz brachte.

©Von DavidDijkgraaf – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123346569

Friedrich war 28 und Maria Theresia 23 Jahre alt, als sie nahezu zeitgleich die Regierungen in ihren Reichen übernahmen. Ihre Jugend als Thronfolger hätte unterschiedlicher nicht sein können:

Mit 18 durchlitt Friedrich das Trauma seines Lebens. Zusammen mit seinem Freund Katte hatte er sich vom Hof seines Vaters abgesetzt. Der junge Kronprinz wollte vor seinem brutalen Vater nach England fliehen. Doch ihr Plan flog auf, sie wurden auf der Flucht gefasst, und der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. ließ beide inhaftieren. Katte wurde zum Tode verurteilt, und Friedrich musste aus seiner Gefängniszelle zusehen, wie seinem besten Freund der Kopf abgeschlagen wurde. Er soll Katte noch einen Kuss zugeworfen haben, bevor er in Ohnmacht fiel.

© Von own photograph, original: Abraham Wolfgang Küfner – history book, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5583766

Wenn man dieses traumatische Erlebnis kennt, fällt es leichter, die Auffälligkeiten in Friedrichs Charakter in seinen späteren Jahren zu verstehen. Freunde und Feinde bestaunten zeitlebens, wie Friedrich seine Liebe zur Philosophie, Musik und Poesie mit brutalen Angriffskriegen verband. Musischer Genuss, gedankliche Offenheit und religiöse Toleranz wechselten sich bei ihm mit kriegerischer Aggression und beißendem Sarkasmus ab. 

©Von Adolph von Menzel – Google Arts & Culture — WAFEF2zy8Ym8vQ, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13318230

Maria Theresia wuchs dagegen mit väterlicher Liebe auf. Sie war die älteste von drei Töchtern. Ihr Vater Kaiser Karl VI. hatte schon vor der Geburt seiner Kinder die „pragmatische Sanktion“ erlassen. Eine Regelung, die eine weibliche Erbfolge im Hause Habsburg ermöglichte. Das Familiengemälde zeigt den Kaiser links mit seiner Tochter Maria Theresia rechts und ihrem Mann Franz Stephan und den Kindern.

©Von Martin van Meytens – [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1619608

Doch nach dem Tod des Kaisers war die „pragmatische Sanktion“ nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben stand. Karl Albrecht von Bayern, Phillip V. von Spanien und Friedrich August von Sachsen erhoben Ansprüche auf das Erbe. Dabei ging es um das Erzherzogtum Österreich, die Königskronen von Ungarn und Böhmen, aber nicht um die Kaiserkrone. Zu der Wahl eines Kaisers konnten Frauen nach den damaligen Gepflogenheiten sowieso nicht antreten. Deshalb planten die Habsburger, Maria Theresias Ehemann zu Kaiser wählen zu lassen.

Aber es kam anders: 1742 wählten die Kurfürsten in Frankfurt nicht den Ehegatten von Maria Theresia, sondern einen Bayern. Die Herrschaft von Karl VII. aus der Familie der Wittelsbacher blieb aber nur eine kurze Episode. Denn als Antwort ließ Maria Theresia München besetzen und der Kaiser war in seinem Frankfurter Exil weitgehend wirkungslos. Er starb nach drei Jahren. 

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©Von Johan Conrad Unsinger (um 1660–1717) – Rainer Koch, Patricia Stahl: Wahl und Krönung in Frankfurt am Main. Kaiser Karl VII. 1742–1745. Historisches Museum Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1986, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5969928

1745 wendete sich das Kriegsglück zugunsten von Maria Theresia. Sie konnte die Wahl ihres Mannes, Franz Stephan, zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation durchsetzen. 

©Von Martin van Meytens – Kunsthistorisches Museum Wien, Bilddatenbank., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4676029

In Regensburg tagte der immerwährende Reichstag. Die Habsburger mussten für eine dauerhafte Präsenz des Kaiserhauses auf dem Reichstag sorgen. Damit beauftragten sie den Generalpostmeister des Reiches Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis, obwohl er zuvor bereits für den verfeindeten Wittelsbacher tätig war. Als Prinzipalkommissar war von Thurn und Taxis der ständige Vertreter des Kaisers in Regensburg. So kam der ursprünglich italienische Kurieradel an die Donau, wo er bis heute sitzt.

©Von PeterBraun74 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11258794
© Von Unbekannter Maler – Eigenes Werk scan. 2007-07, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2509308

Maria Theresia hat im Laufe ihres Lebens 16 Kinder geboren. Deshalb war sie gezwungen, Kriege von zuhause aus mit schriftlichen Befehlen zu führen. Sie hätte gerne mitgekämpft.

Der Kampf um ihre Erbfolge blieb nicht auf das Heilige Römische Reich beschränkt: Großbritannien, die Niederlande, Russland, Frankreich, Spanien, Genua und Piemont-Sardinien verbündeten sich mit der einen oder anderen Seite, um das Kräfteverhältnis zwischen den Großmächten zu wahren und ggf. ein Stück vom Kuchen abzubekommen. 

Nach acht Jahren schloss man 1748 den Frieden von Aachen. Maria Theresia wurde als Herrscherin in Österreich und als Königin von Böhmen und Ungarn anerkannt. Schlesien blieb bei Friedrich II. In London wurde der Friedensschluss mit einem besonderen Konzert gefeiert: Georg Friedrich Händel komponierte im Auftrag des englischen Königs die Feuerwerksmusik.

©Von Ursprung unbekannt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1511769

Barbara Stollberg-Rilinger hat eine lesenswerte Biografie über Maria Theresia geschrieben. Ich spreche mit der Professorin für die Frühe Neuzeit und Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin über die Anfänge und den Charakter der beiden Kontrahenten.

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