Sieben Jahre lang wurden regionale, europäische und globale Machtinteressen ausgefochten. Über eine Million Menschen starben weltweit. Friedrich der Große wähnte sich zeitweise am Ende. Seine Rettung war für ihn ein Wunder: Das „Mirakel des Hauses Brandenburg“. Nur durch einen glücklichen Zufall gelang es Friedrich, sein Reich und Schlesien für sich zu retten.
Friedrich der Große hatte Schlesien 1740 überfallartig annektiert und seine Eroberung in einem zweiten Krieg gegen Maria Theresia vier Jahre später verteidigt.
Der Stachel saß tief bei Maria Theresia. 1756 startete sie den dritten Anlauf, Schlesien zurückzugewinnen. Sie schmiedete sie eine Allianz mit Frankreich gegen Preußen. Das war eine Epochenwende, denn über 250 Jahre waren Frankreich und Österreich verfeindet. Eine blutige Tradition. Seit Kaiser Karl V., fühlten sich die Franzosen von den Habsburgern bedrängt und umzingelt. In vielen Kriegen hatten Frankreich und das Haus Habsburg erbittert gegeneinander gekämpft. Nun suchte Maria Theresia eine mächtige Allianz, um Preußen zu vernichten, und der französische König sagte zu.
Um die Allianz gegen Preußen noch weiter zu stärken, animierte sie auch Spanien und die russische Zarin, mobil zu machen.
Österreich, Frankreich, Spanien, Russland und Schweden gegen Preußen: Das war eine erdrückende militärische Übermacht. Friedrich II. fühlte sich von allen Seiten umzingelt. Preußen hatte dagegen nur eine kleine Allianz aufzubieten mit dem Kurfürstentum Hannover und England.
Der militärischen Aussichtslosigkeit begegnete Friedrich II. mit einem kaltschnäuzigen Überraschungsangriff. Er fiel ohne Vorwarnung in Sachsen ein. Die sächsischen Silberminen dienten ihm als sprudelnde Geldquellen zur Finanzierung des Krieges.
Sieben Jahre lang: von 1756 bis 1763 tobten die Kämpfe zwischen den Großmächten in Zentraleuropa, Nordamerika und auf hoher See. Mehrmals schien Preußen militärisch restlos besiegt und kämpfte sich gegen alle Erwartung zurück.
Friedrich selbst wurde zu einer europäischen Ikone. Der Philosophenkönig, der persönlich an der Schlacht teilnahm, löste preußisch-patriotische Gefühle bei seinen Soldaten aus.

Die Begeisterung für den preußischen König beschränkte sich nicht nur auf seine Soldaten. Die Zeitgenossen produzierten und kauften regelrechte Fanartikel mit dem Konterfei von Friedrich dem Großen. Auch in England wurde er auf Alltagsgegenstände gemalt. Hier Friedrich auf zwei Porzellanpfeifenköpfen und einem Wasserkrug.



Die eigentliche Gefahr für Friedrich ging von dem Bündnis Österreichs mit Russland aus. Die russischen Truppen sollten aus dem Nord-Osten angreifen und die österreichische Armee aus dem Süd- Westen. Preußen sollte also in einem Zweifrontenkrieg in die Zange genommen werden.
Die Schlacht bei Kunersdorf, nahe Frankfurt an der Oder wurde für die Preußen zum Fiasko. Russische und österreichische Truppen rieben das preußische Heer fast vollständig auf. Der Weg für die Einnahme von Berlin war frei. „Adieu für immer“ schrieb Friedrich am Abend nach der Schlacht an seinen engsten Vertrauten und sagte den Untergang seines Vaterlandes voraus.

Doch Friedrich irrte. Der Untergang blieb aus. Die Sieger zögerten, sofort in Richtung Berlin zu marschieren. Wenige untätige Tage reichten dem preußischen Heer, um sich wieder neu aufzustellen. Friedrich konnte sein Glück kaum fassen und sprach fortan vom „Mirakel des Hauses Brandenburg“.
Ein weiteres „Mirakel“ führte schließlich zum Ende des Siebenjährigen Krieges. Nach sieben erschöpfenden Kriegsjahren blickte Preußen in den Abgrund. Der österreichisch-russische Sieg war zum Greifen nah. In dem Moment starb die russische Zarin Elisabeth, und ihr Neffe, der neue Zar Peter III., stellte sofort alle Kampfhandlungen gegen Preußen ein. Auch Peter III. war ein Friedrich-Fan. Der junge Zar rettete sein Idol vor dem fast schon sicheren Untergang: 1762 schloss Russland Frieden mit Preußen.

In Nordamerika hatte Großbritannien Frankreich schon zwei Jahre früher besiegt. Die Engländer, die Verbündeten von Friedrich, stellten kurz nach dem Ausscheiden Russlands ihre Kriegsteilnahme ein. Sie hatten in Amerika ihr Ziel erreicht und dominierten fortan die Weltmeere. Den englischen Rückzg aus der Kriegskoalition verzieh Friedrich dem englischen König nie.
Frankreich war in Übersee geschlagen und nahezu pleite. Deshalb fiel es als Verbündeter gegen Preußen aus. Russland war schon raus. Ohne eine Allianz konnte auch Maria Theresia nicht weiterkämpfen. Im Frieden von Hubertusburg 1763 bestätigte Österreich ein weiteres Mal missmutig die preußische Oberhoheit über Schlesien und erkannte das junge Königreich damit als eine neue europäische Großmacht an.

Friedrich der Große kehrte als alter verbitterter Mann aus dem Siebenjährigen Krieg 1763 heim. Er konnte die Ehrdarbietungen und Feierlichkeiten zum Kriegsende nicht ertragen. Den Tag des Kriegsendes hatte er nochmal in Kunersdorf verbracht, auf dem verlassenen Schlachtfeld, auf dem er vier Jahre zuvor fast alles verloren hatte. Im Schutze der Dunkelheit ließ er sich in Berlin ins Stadtschloss fahren, um den Huldigungen seiner Untertanen zu entgehen.



