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#81 „Dem Reich der Freiheit werb ich Bürgerinnen“ – Der Kampf um das Frauenwahlrecht

Der Kampf für die Rechte der Frauen begann mit einem Leserbrief. 1843 warfen die Sächsischen Vaterlandsblätter die Frage nach der Stellung der Frau auf. Die 24-jährige Louise Otto (Das Bild oben stammt aus einem späteren Lebensabschnitt) schrieb in ihrem Leserbrief: „Die Teilnahme der Frauen an den Interessen des Staates ist nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht.“

Ihr Schreiben wurde anonym abgedruckt und war die Initialzündung für den Kampf um die Frauenrechte.

Auf dem Höhepunkt der Deutschen Revolution 1849 gründete die Schriftstellerin Louise Otto eine Zeitung für Frauen unter dem Motto: „Dem Reich der Freiheit werb ich Bürgerinnen!“.

Allerdings war es nach der Niederschlagung der Deutschen Revolution mit dem „Reich der Freiheit“ nicht mehr weit her. Das sächsische Pressegesetz verbot fortan Frauen die Herausgabe von Zeitungen.

Ihr Geliebter, der Revolutionär August Peters, kam nach der Revolution im Gefängnis. Noch während er hinter Gittern saß, verlobten sich die beiden. Louise arbeitete weiter als Romanautorin und Journalistin, immer argwöhnisch von den Zensurbehörden beäugt. Nach dem frühen Tod ihres Mannes gründete Louise Otto-Peters 1865 den Allgemeinen Deutschen Frauenverein. Von da an war sie hauptberuflich Aktivistin.

Zur Zeit der Gründung des Deutschen Kaiserreiches war Leipzig der zentrale Ort der Frauenbewegung in Deutschland. Dort hatte sich ein angesehenes Lehrerinnenseminar gegründet und Louise Otto-Peters, die Grande Dame der Frauenbewegung, lud besonders begabte Schülerinnen zu sich zuhause zum Tee ein. Eine dieser Musterschülerinnen war Clara. Aber Clara löste sich kurze Zeit später aus dem bürgerlich liberalen Umfeld. Sie trat der Sozialistischen Arbeiterpartei bei und ging, als Bismarck die Sozialisten verbieten ließ, nach Paris ins Exil.  In Paris nahm Clara den Nachnamen ihres russischen Freundes an: Zetkin.

Clara Zetkin gehörte mit Rosa Luxemburg zum radikal sozialistischen Flügel der späteren SPD. Sie verstand sich in erster Linie als Marxistin und achtete sehr auf die Trennung der proletarischen Frauenbewegung von der bürgerlichen. Die Idee eines internationalen Frauentages, der damals von amerikanischen Sozialistinnen propagiert wurde, setzte sie in der internationalen Arbeiterbewegung durch.

© Von Karl Maria Stadler (1888 – nach 1943) – Scan from an old book, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6372383

Neben dem proletarischen entwickelte sich ein zweiter bedeutender Flügel der Frauenbewegung. Er kam aus dem bürgerlich liberalen Milieu. Eine ihrer bekanntesten Vorkämpferinnen war Helene Lange. Helene Lange war Lehrerin in Berlin. Für sie war die Emanzipation der Frau keine politische Frage, sondern zuerst eine pädagogische. Und trotzdem wurde Helene Lange zu einer bedeutenden politischen Figur. Denn sie verfasste zusammen mit anderen eine Petition an das Preußische Abgeordnetenhaus. Darin forderte sie die Verbesserung der Mädchenausbildung. Und sie erklärten diese Petition mit einer Broschüre, deren Einband auf gelbes Papier gedruckt war. Daher der Name: „Gelbe Broschüre“.

Von Atelier Elvira – http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/LangeHelene/, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3851087
© Von Foto by Horst ZiegenfuszThe copyright of the foto is with the Historical Museum Frankfurt who decided to release these media files under cc-by-sa license during GLAM on Tour Frankfurt 2018.The Archiv der deutschen Frauenbewegung (Archive of German Women’s Movement) which is in possession of the brochure has agreed to this upload. – Archiv der deutschen Frauenbewegung, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73261685

Kurz vor der Jahrhundertwende trat bei Helene Lange eine Augenleiden auf, das sie kaum noch selbstständig arbeiten ließ. Die damals 28-jährige Lehrerin Gertrud Bäumer erledigte zunächst das Sekretariat für Helene Lange und zog dann kurze Zeit später bei ihr ein. De beiden Frauen hatten einen Altersunterschied von 25 Jahren und lebten fast 30 Jahre lang zusammen.

© Von Ukjent, Tysklands riksdag 1930 eller før – https://snl.no/Gertrud_B%C3%A4umer, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=133338376

Nach und nach übernahm Gertrud Bäumer die politischen Funktionen ihrer Lebenspartnerin und wurde schnell als Nachfolgerin und neue Anführerin von der Frauenbewegung akzeptiert.

Am Ersten Weltkrieg kristallisierten sich die unterschiedlichen ideologischen Ansätze der deutschen Frauenbewegungen. Während Clara Zetkin in ihrem Kampf gegen den Kapitalismus den Krieg ablehnte und sich gegen den konservativen Flügel ihrer eigenen Partei, der SPD, stellte, sahen Helene Lange und Gertrud Bäumer den Krieg eher als Chance für die Frauen, sich als Staatsbürgerinnen zu beweisen. Und tatsächlich führte nach dem Krieg 1918 die SPD geführte Übergangsregierung das Frauenwahlrecht ein.

© Bundesarchiv BildY 1-335 – 23327 /o. Ang.

In dieser Episode spreche ich mit der Leiterin der Forschungsabteilung des Archivs der Deutschen Frauenbewegung, Prof. Kerstin Wolff, über die 90 Jahre , in denen das Frauenwahlrecht von der Utopie zur Realität wurde.

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