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#50 Der letzte Ritter? Managing Maximilian Teil 1

Mit Christina Lutter und Andreas Zajic:

Den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit verkörpert kein römisch-deutscher Herrscher so gut, wie Maximilian. Die Zeitgenossen nannten ihn ehrfürchtig „den letzten Ritter“. Daran hört man schon, dass da etwas zu Ende geht und Maximilian das Ideal des Rittertums trotzdem hochhält. Und auf der anderen Seite zeigt sich ein moderner Herrscher, der mit dem neuen Massenmedium Buchdruck an seinem Image feilt und mit der Familie Thurn und Taxis die Post erfindet.

Meine Gesprächspartner sind Teil des Forschungsprojekts „Managing Maximilian“. Sie erforschen das vielfältige Netzwerk von Männern und Frauen, das Kaiser Maximilian umgab. Ihre These: Maximilians Politik, seine Kulturprojekte und der Machtausbau der Familie Habsburg waren nicht die Leistung eines einzelnen genialen Herrschers, sondern ein Gemeinschaftswerk. Für Ihr Forschungsprojekt „Managing Maximilian“ haben Sie tausende von Urkunden ausgewertet: Also Briefe und Protokolle, Verträge und Rechnungen aus dem Umfeld von Maximilian ausgewertet: von seiner Familie, aber auch vom Chef der Hofkanzlei bis zur Gärtnerin.

©Possibly Michael Pacher, Public domain, via Wikimedia Commons

Sein Vater hat Maximilian die beste Partie des damaligen Europas ausgesucht: Maria von Burgund. Herzogtum Burgund war die Aufsteigerregion der Zeit. Ein selbstständiges Reich auf dem Mittelstreifen zwischen Frankreich und Deutschland. Das wirtschaftliche Herz von Burgund pochte im Norden: Die Kaufleute in Flandern häuften mit ihrem Tuchhandel Reichtümer an. Maria, 19 Jahre alt, war die Alleinerbin dieser Boomregion. Aber sie hatte einen mächtigen Gegner. Der französische König wollte Burgund für sich und die reichen Kaufleute in Flandern  wollten möglichst ungestört ihren Geschäften nachgehen. Maria suchte händeringend nach einer Allianz und fand sie in Maximilian von Habsburg, dem Sohn des Kaisers. Aber finanziell war er ihr zumindest keine Hilfe. Die Habsburger waren so klamm: Maximilian konnte noch nicht mal seinen Hochzeitszug von Österreich nach Gent bezahlen. Seine zukünftige Schwiegermutter musste ihm finanziell unter die Arme greifen. Margareta von York schickte 100.000 Taler von Gent nach Köln, wo Maximilian wegen offener Rechnungen festsaß. Erst nach dieser Finanzspritze konnte Maximilian seinen Hochzeitszug fortsetzen.

Gegen Ende seines Lebens ließ Maximilian I. seinen Brautzug in einem Bildband festhalten. Die darin erzählte Geschichte des Ritters „Theuerdank“ der auf seiner Reise zu „Fräulein Ernreich“ 80 Abenteuer besteh muss, hat nichts mit der Realität zu tun. Der Theuerdank ist die gedruckte fiktionale Überhöhung seines jungen Lebens.

Maria gebar zwei Kinder: Philipp und Margarete. Die jungen Eltern ritten häufig gemeinsam zur Jagd. Und genau da, nämlich auf einem Jagdausflug endete ihr Glück. Maria starb mit 25 Jahren an den Folgen eines Reitunfalls. Zu Ihrer Beerdigung sollen 15.000 Trauergäste erschienen sein. Maximilian hatte nicht nur mit seiner Trauer zu kämpfen, sehr bald brandete der Konflikt mit dem französischen König und den reichen selbstbewussten flandrischen Kaufleuten wieder auf. Zwölf Jahre dauerte die Auseinandersetzung. Am Ende setzte sich Maximilian durch und sicherte sich den Norden Burgunds, also die reichen Niederlande.

Jahre später, als er in Innsbruck residierte, setzte er seine Tochter Margarete zur Statthalterin in den Niederlanden ein.

© Bernard van Orley, Public domain, via Wikimedia Commons

Um im ständigen Austausch mit ihr zu bleiben, bediente er sich eines besonderen Kurierdienstes. Er richtete zwischen Innsbruck und Brüssel die erste offizielle Postlinie der Welt ein. Betrieben wurde die Post von Francesco und Giovanni Baptista de Tasso. In der eingedeutschten Form: „von Taxis“. Ihre Innovation waren Poststationen außerhalb der Städte, die 24/7 im Einsatz waren. Schon wenige Jahrzehnte später breiteten sich Postlinien über ganz Europa aus.

© Joseph Rübsam (1854–1927), Public domain, via Wikimedia Commons

Auch Maximilian wollte etwas Bleibendes hinterlassen. Aber nicht in Stein, sondern auf Papier. Er beauftragte Albrecht Dürer einen Triumphbogen zu entwerfen, den er als Riesenposter (3 x 3,5 m) drucken und an 700 Gefolgsleute verschicken ließ.

© Albrecht Dürer, Public domain, via Wikimedia Commons

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